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Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige ist mindestens genauso wichtig, wie für Angestellte. Falls man als Selbstständiger Pflichtmitglied in der Deutschen Rentenversicherung ist, bekommt man die gleichen unzureichenden Leistungen wie Angestellte. Wenn man nicht versicherungspflichtig in der Deutschen Rentenversicherung ist, muss man sich sogar vollständig selber absichern.

Matthias: "Warum sollte man sich selbstständig machen, wenn man sich schlechter absichert, als ein normaler Angestellter?"

Inhalt

 

Selbstständige und Selbstständige

Das ursprüngliche Merkmal eines Selbstständigen war, dass man keinen Arbeitgeber hat und selber für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg seines Unternehmens und der Absicherung seiner Lebensrisiken verantwortlich ist. Für viele Berufe gilt das mit der eigenverantwortlichen Absicherung der Lebensrisiken heute nicht mehr so ganz.

Selbstständige, die in der Rentenversicherung versicherungspflichtig sind

Lang und länger wird die Liste der Berufe, mit denen man auch als Selbstständiger versicherungspflichtig in der Deutschen Rentenversicherung ist. Zum Beispiel als Lehrer und Erzieher, als Pflegeperson, Hebamme, Seelotze, Künstler, Publizist, Hausgewerbetreibender oder Küstenschiffer. Auch selbstständige Handwerksmeister, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, sind regelmäßig versicherungspflichtig und müssen 18 Jahre lang Pflichtbeiträge einzahlen. Dazu zählen Maurer und Betonbauer, Ofen- und Luftheizungsbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, Brunnenbauer, Steinmetze und Bildhauer, Stuckateure, Maler und Lackierer, Gerüstbauer, Schornsteinfeger, Metallbauer, Chirurgiemechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbauer, Feinwerkmechaniker, Zweiradmechaniker, Kälteanlagenbauer, Informationstechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Landmaschinenmechaniker, Büchsenmacher, Klempner, Installateure und Heizungsbauer, Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer, Tischler, Boots- und Schiffbauer, Seiler, Bäcker, Konditoren, Fleischer, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker, Orthopädieschuhmacher, Zahntechniker, Friseure, Glaser, Glasbläser und Glasapparatebauer, Vulkaniseure und Reifenmechaniker.

Hinzu kommen seit ein paar Jahren „Scheinselbstständige“ mit nur einem Auftraggeber. Über eine Ausweitung der Versicherungspflicht auf alle Selbstständige wird seit Jahren immer wieder diskutiert.

Was Sie als entsprechend Selbstständiger aus der Rentenversicherung erwarten können, falls Sie erwerbsunfähig werden? Das Gleiche wie Angestellte und Arbeiter: Durchschnittlich 731 € im Monat, falls Sie nicht einmal mehr 3 bzw. 6 Stunden am Tag irgendetwas arbeiten können.

731 € im Monat: Das ist die Höhe der durchschnittlichen Erwerbsminderungsrente im Jahr 2015, ohne Unterscheidung in volle und halbe Erwerbsminderungsrenten. Quelle: DRV. Grafik www.helberg.info


Selbstständige, die nicht in der Rentenversicherung versicherungspflichtig sind

Wer als Selbstständiger nicht in der Rentenversicherung versicherungspflichtig ist und es auch die letzten Jahre nicht war, kann auch keine Erwerbsminderungsrente erwarten. Also muss man sich dann komplett selber absichern.

Als eine besondere Gruppe selbstständig arbeitender gelten Freiberufler, also akademische Berufe mit einer Kammerzugehörigkeit. Da deren Absicherung anders aussieht, informieren wir an anderer Stelle. Zum Beispiel unter Berufsunfähigkeitsversicherung Ärzte und Berufsunfähigkeitsversicherung Architekt.

 

„Selbst wenn ich im Rollstuhl säße…“ Ursachen von Berufsunfähigkeit

Angenommen, Sie sind selbstständig. Welche gesundheitlichen Einschränkungen müssten geschehen, damit Sie nicht mehr arbeiten könnten? Immer wieder hören wir auf diese Frage Sätze wie „Selbst wenn ich im Rollstuhl säße, würde ich in meinem Betrieb weiterarbeiten!“ Einerseits können Sie das natürlich tun. Die Frage ist nur, ob Sie immer in einer Situation sein wollen, dass Sie es auch müssen? Andererseits ist Berufsunfähigkeit nun einmal überhaupt nicht mit einem Rollstuhl-Schicksal gleichzusetzen.

Als berufsunfähig gelten Sie, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf – so wie er zu gesunden Zeiten ausgestaltet war – ganz oder teilweise nicht mehr ausüben können. So lautet (etwas verkürzt) die gesetzliche Berufsunfähigkeit Definition.

Was sind nun die Ursachen, die zur Berufsunfähigkeit führen? Sehen Sie hier unsere Grafik dazu:

Ursachen für Berufsunfähigkeit, Tortendiagramm, Stand 05.2017

Fast die Hälfte der Ursachen für Berufsunfähigkeit sind Psyche bzw. Nervenkrankheiten und Krebs. Das bedroht auch Selbstständige unmittelbar in ihrer Existenz. Quelle: Morgen&Morgen GmbH M&M Office Vers. 3.47.002.

 

Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

So, wie Selbstständige eine Krankenversicherung brauchen, brauchen sie auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV). Diese Absicherung kann – und muss – Ihre finanzielle Existenz retten, falls Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50% nicht mehr ausüben können.

Jeder Selbstständige sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige haben. Grafikquelle: colourbox.com

Egal in welchem Beruf: Die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige ist ein Muss. Grafikquelle: colourbox.com

Dabei gibt es einige Besonderheiten zu beachten:

Höhe der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

Ein besonderes Merkmal der Einkünfte von Selbstständigen ist, dass sie sehr stark schwanken können. Die Versicherer werden aber vorsichtig, wenn ein Selbstständiger sich hoch absichern will: Zum einen sind beim Abschluss von Berufsunfähigkeitsrenten über 2.500 € im Monat stets ärztliche Untersuchungen erforderlich. Zum anderen muss man meistens bereits ab mehr als 1.500 € BU-Rente einen entsprechenden angemessenen Durchschnittsgewinn der letzten 3 Jahre nachweisen. Das fällt insbesondere Existenzgründern natürlich schwer.
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Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

Die Kosten einer BU-Absicherung für Selbstständige richten sich nach dem Alter bei Abschluss, der genauen Tätigkeit sowie nach dem Versicherungsumfang und der Dauer des Vertrages. Auf die Beitragshöhe können sich auch als gefährlich eingestufte, in der Freizeit ausgeübte Sportarten auswirken. Zum Beispiel Tauchen, Reiten, Gewichtheben, Paintball-Spielen. Falls es beim Abschluss bereits Vorerkrankungen gibt, können diese zu einem Risikozuschlag, also einem höheren Beitrag, führen.

Verpflichtung zur Umorganisation

Anders als Arbeiter und Angestellte können Selbstständige ihre Tätigkeit selber gestalten und Betriebsabläufe festlegen. Daher gelten Selbstständige bei den meisten Versicherern erst dann als berufsunfähig, wenn sie ihren Betrieb nicht so umorganisieren können, dass sie weiterhin in ihm tätig bleiben können. Dieser Punkt wird also bei Selbstständigen, die einen Antrag auf Leistung stellen, zusätzlich geprüft. Gute Versicherungsbedingungen stellen klar, dass eine solche Umorganisation zumutbar und betrieblich sinnvoll sein muss sowie keinen erheblichen Kapitalbedarf erfordern darf. Außerdem sollte klargestellt werden, dass sich der Gewinn des Selbstständigen dadurch nicht auf unter 80% des bisherigen Gewinns reduziert.

Inzwischen verzichten einige Versicherer auf die Prüfung einer möglichen Umorgansiation, wenn der Versicherte Akademiker ist und zu mehr als 90% Bürotätigkeiten ausübt. Andere Versicherer nehmen dazu die Anzahl der Mitarbeiter als Maßstab. Sollte doch eine Umorganisation möglich sein, beteiligen sich viele Versicherer an den Kosten.

Übergang vom Krankentagegeld und AU-Klauseln

Zur Arbeitskraft-Absicherung eines Selbstständigen gehört normalerweise auch eine Krankentagegeldversicherung. Anfangs sind die meisten Betroffenen „nur“ arbeitsunfähig, also im Volksmund „krankgeschrieben“. In dieser Zeit ersetzt das Krankentagegeld das Einkommen. Sollte die Krankheit oder der Unfall aber dauerhaft dazu führen, dass man nicht mehr arbeiten kann, ist man nicht mehr arbeitsunfähig, sondern berufsunfähig. Dann wird man also ein Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Leider definieren Krankentagegeldversicherer und Berufsunfähigkeitsversicherer die Berufsunfähigkeit jeweils nach eigenen Maßstäben. Folglich kann das im Einzelfall dazu führen, dass man für den Krankentagegeldversicherer bereits berufsunfähig ist, aber für den Berufsunfähigkeitsversicherer noch nicht. In der Zeit dazwischen zahlt dann vielleicht keiner von beiden Versicherern. Einige Versicherer bieten vor diesem Hintergrund besondere Übergangsklauseln an. Beispielsweise, wenn der Krankentagegeldversicherer zum gleichen Konzern gehört.  Andere Versicherer zahlen ein Übergangsgeld, sobald der Krankentagegeldversicherer seine Leistung einstellt.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Muster 2016

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Muster 2016. Grafiikquelle: kvno.de

In den letzten Jahren haben sich verstärkt sogenannte AU-Klauseln am Markt etabliert. Dadurch sagen einige Versicherer von Berufsunfähigkeitsversicherungen die BU-Rente schon dann zu, wenn man ununterbrochen mindestens 6 Monate lang arbeitsunfähig geschrieben war. Das kann insbesondere bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige eine sehr wertvolle Leistung sein. Jedenfalls, sofern der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit auch klar als Selbstständiger erbracht werden kann. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („gelber Zettel“) erhalten Selbstständige nämlich nicht immer automatisch.

Gleichzeitig sind dadurch neue Fragen aufgetaucht: Sieht der Krankentagegeldversicherer die AU-Leistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung als Krankentagegeld-Leistung an? Man sollte die Frage mit seinem Krankentagegldversicherer klären.

 

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Fazit: Alles nicht so einfach mit der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige. Es gibt, was die Vertragsgestaltung angeht, sogar eher noch mehr zu beachten, als bei Angestellten und Arbeitern.

 

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Zuletzt aktualisiert am 03.10.2017 Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige