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Arbeitsunfähigkeitsversicherung – wie absichern?

 

Sie googeln nach „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“? Für welchen Fall wollen Sie vorsorgen? Dass Sie krankgeschrieben werden und weniger Geld bekommen? Oder dass Sie in Ihrem Beruf, vielleicht in gar keinem Job mehr tätig sein können? Überlegen Sie das zuerst. Sonst bekommen Sie noch die falsche Versicherung.

Anja: " Arbeitsunfähigkeitsversicherung ? Wo schon die Bezeichnungen durcheinander gebracht werden, sind Missverständnisse und Enttäuschungen im Schadensfall vorprogrammiert!"

Inhalt

 

Was wollen Sie durch eine „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ absichern?

In dem Wirrwarr von Fachausdrücken ist es kein Wunder, wenn man mal durcheinander kommt. Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Erwerbsminderung – das sind nur vier Begriffe von vielen. Für alles gibt es Versicherungen. Allen ist gemeinsam, dass es um eine Absicherung geht, falls man zu krank zum Arbeiten wird. Denoch meinen diese Begriffe unterschiedliche Situationen. Die Unterschiede sollten Sie kennen, damit Ihre „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ auch das tut, was Sie von ihr erwarten.

 

Geld bekommen, wenn Sie krankgeschrieben sind – die eigentliche Arbeitsunfähigkeitsversicherung

  • Mit Arbeitsunfähigkeit ist der Zeitraum gemeint, in dem Sie vorübergehend wegen einer Krankheit nicht arbeiten können. Meistens wird man ärztlich behandelt und hat Aussicht auf Heilung. Als Arbeitnehmer werden Sie krankgeschrieben und erhalten den bekannten „gelben Zettel“. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen in den ersten 6 Wochen Ihrer Arbeitsunfähigkeit Ihr Gehalt oder Ihren Lohn weiterzahlen. Das nennt sich Lohnfortzahlung.

Wenn Sie dann immernoch nicht arbeiten können, zahlt Ihnen Ihre Krankenkasse ein Krankengeld. Jedoch nur etwa in Höhe von 70 bis 75% vom Nettogehalt und wegen der gleichen Krankheit längstens 78 Wochen lang. Um während dieser Zeit Ihren Verdienstausfall abzusichern, können Sie eine private Krankentagegeldversicherung abschließen. Das gilt auch für Selbstständige und Freiberufler. Wichtig: Wenn Sie nicht mehr arbeitsunfähig sind, gibt es auch keine Leistung wegen Arbeitsunfähigkeit mehr. Deshalb brauchen Sie eine andere Absicherung falls Sie dauerhaft krank bleiben.

Verbindliches Muster einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 2018. Erforderlich für eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung. Quelle: kbv.de

Muster einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wichtig für eine „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“. Quelle: kbv.de

 

Rente bekommen, wenn Sie Ihrem Beruf nicht mehr voll ausüben können

  • Bei einer Berufsunfähigkeit handelt es sich um eine voraussichtlich dauerhafte gesundheitliche Einschränkung. Beispielsweise, wenn die Behandlung Ihres Arztes in der Zeit der Arbeitsunfähigkeit keine Heilung erbracht hat. Wenn Sie dann in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf mindestens zur Hälfte (50%) nicht mehr tätig sein können, gelten Sie als berufsunfähig. Ihre Krankenkasse zahlt dann das Krankengeld nicht mehr. Genau so wie die Krankentagegeldversicherung. Denn Sie können nur entweder arbeitsunfähig oder berufsunfähig sein. Nicht beides gleichzeitig. Wenn Sie nach 1960 geboren sind, zahlt Ihnen die staatliche Deutsche Rentenversicherung höchstens eine Reha-Maßnahme und ein Überbrückungsgeld. Jedoch keine Rente. Um in dieser Lage eine Rente zu bekommen, ohne irgendeinen anderen Beruf ausüben zu müssen, brauchen Sie eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.

 

Rente bekommen, wenn Sie für alle Jobs zu krank sind

  • Bei der Erwerbsunfähigkeit kommt es wie bei der Berufsunfähigkeit auf eine dauerhafte Einschränkung an. Jedoch mit dem Unterschied, dass diese Einschränkung für alle Berufe, Jobs und Erwerbstätigkeiten gilt. Es kommt also nicht darauf an, was Sie gelernt haben oder wie hoch Sie qualifiziert sind.

Auch in diesem Stadium zahlt Ihnen weder die Krankenkasse noch eine Krankentagegeldversicherung den Verdienstausfall. Aber Versicherte können eine „Rente wegen voller Erwerbsminderung“ bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Dafür müssen Sie so eingeschränkt sein, dass Sie nicht einmal mehr 3 Stunden am Tag irgendeiner bezahlten Arbeit nachgehen können. Erst dann gelten Sie als erwerbsunfähig bzw. voll erwerbsgemindert. Beide Ausdrücke meinen im Grunde genommen die gleiche Einschränkung. Falls Sie noch 3 bis 6 Stunden irgendetwas arbeiten können, gelten Sie als teilweise erwerbsgemindert und bekommen eine halbe Rente.

Durchschnittlich bekamen neue Rentner im Jahr 2017 ganze 716 € Erwerbsminderungsrente ausgezahlt. Fast die Hälfte aller Anträge wurde abgelehnt und es gab kein Geld. Mehr als eine halbe Million Menschen musste zusätzlich Grundsicherung beantragen.
Sie kommen mit 716 € nicht aus und wollen auch keine Grundsicherung beantragen? Sie wären aber bereit, außer Ihrem Beruf jede andere Erwerbstätigkeit auszuüben? Und nur wenn auch das nicht mehr geht, soll irgendwo anders Geld herkommen? Dann brauchen Sie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

 

Infografik zur Arbeitsunfähigkeitsversicherung

So sind pflichtversicherte Arbeitnehmer in Deutschland abgesichert, wenn sie dauerhaft zu krank zum Arbeiten werden.

Infografik Arbeitsunfähigkeitsversicherung

 

Spezieller Fall Berufsunfähigkeits-Versicherung mit Arbeitsunfähigkeitsklausel

Folgt man den Google-Vorschlägen, landet man mit der Suche nach einer Arbeitsunfähigkeitsversicherung fast immer bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Manche Anbieter machen dafür sogar bezahlte Werbung. Dabei zahlt Ihnen eine Berufsunfähigkeitsversicherung zunächst einmal keine Rente, falls Sie bloß arbeitsunfähig werden. Denn arbeitsunfähig ist man eben immer nur vorübergehend. Berufsunfähig wird man erst bei einer vermutlich dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung. Beides gleichzeitig kann man nicht sein.

 

Berufsunfähigkeitversicherung mit AU-Klausel = Arbeitsunfähigkeitsversicherung?

Um das Wirrwarrr um Begrifflichkeiten und Versicherungsnamen perfekt zu machen: Inzwischen gibt es recht viele Berufsunfähigkeitsversicherungen, die auch bereits bei langer (meistens mehr als 6 Monaten) ununterbrochen andauernder Arbeitsunfähigkeit eine Rente zahlen. Allerdings meistens für 18 bis 36 Monate befristet. Bei diesen Tarifen ist eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) im Vertrag enthalten. Manche Versicherer nennen diese Leistung inzwischen Arbeitsunfähigkeitsrente.

Wenn man es also mit den Begrifflichkeiten nicht so genau nimmt, dann kann man unter einer Arbeitsunfähigkeitsversicherung auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel verstehen. Haben Sie vielleicht danach gesucht?

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Spezialfall Ratenschutzarbeitsunfähigkeitsversicherung

Einige Banken bieten zur Absicherung der von ihnen gewährten Kredite sogenannte Ratenschutzversicherungen an. Die können einen Baustein „Ratenschutz- Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ beinhalten. Damit soll dann die Kreditrate abgesichert werden. Das mag besser sein, als gar keine Absicherung. Wegen der ansonsten eher verbraucher-unfreundlichen Bedingungen (Ausschluss von Vorerkrankungen, maximale Leistungszeit, maximale Höhe usw.) ist das allerdings keine vernünftige Absicherung der Arbeitsunfähigkeit.

 

Welche „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ ist sinnvoll?

Wenn Sie sich vernünftig gegen den Verlust Ihrer Arbeitskraft absichern wollen, brauchen Sie keine Arbeitsunfähigkeitsversicherung, sondern:

  • Erstens eine Krankentagegeldversicherung, denn rund ein viertel weniger Einkommen haben die meisten Arbeitnehmer schon nach 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit.
  • Zweitens eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) mit oder ohne AU-Klausel, je nachdem ob eine Krankentagegeldversicherung besteht. Denn arbeitsunfähig bleibt man nicht auf Dauer. Da die staatlichen Leistungen danach sehr gering sind, braucht man eine eigene private Absicherung.
  • An Stelle einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn Sie bereit sind, jede erdenkliche Erwerbstätigkeit auszuüben, falls Sie in Ihrem Beruf nicht mehr arbeiten können. Für die meisten Akademiker und Bürojobs lohnt sie sich allerdings nicht: Sie kostet so viel wie eine BUV, leistet aber nur in den schwersten Fällen.

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Zuletzt aktualisiert am 30.06.2020 Arbeitsunfähigkeitsversicherung