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Die Arbeitsunfähigkeitsversicherung – noch so ein Phantom

 

Das ist interessant: Über 83.000 Suchergebnisse gibt Google aus, wenn man nach „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ sucht. Dabei gibt es die gar nicht, wenn man es genau nimmt.

Anja: "Wo schon die Bezeichnungen durcheinander gebracht werden, sind Missverständnisse und Enttäuschungen im Schadensfall vorprogrammiert!"

Inhalt

 

Was wollen Sie durch eine „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“ absichern?

In dem Wirrwarr von Fachausdrücken ist es kein Wunder, wenn man mal durcheinander kommt. Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit / Erwerbsminderung – das sind nur vier Begriffe von vielen. Für alles gibt es Versicherungen. Allen ist gemeinsam, dass es irgendwie um Gesundheit und nicht-mehr-arbeiten-können geht. Denoch meinen alle drei Begriffe unterschiedliche Situationen, die man klar unterscheiden muss:

  • Mit Arbeitsunfähigkeit ist der Zeitraum gemeint, in dem man vorübergehend wegen einer Krankheit nicht arbeiten kann. Meistens wird man ärztlich behandelt und hat Aussicht auf Heilung. Arbeitnehmer können sich krankschreiben lassen und bekommen in den ersten 6 Wochen der Arbeitsunfähigkeit das Gehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt. Anschließend zahlt die Krankenkasse das Krankengeld, etwa in Höhe von 70 bis 75% vom Nettogehalt. Spätestens 78 Wochen später gilt man wegen der gleichen Krankheit nicht mehr als arbeitsunfähig.
  • Bei der Berufsunfähigkeit handelt es sich um eine voraussichtlich dauerhafte gesundheitliche Einschränkung. Beispielsweise dann, wenn die Behandlung in der Zeit der Arbeitsunfähigkeit doch keine Heilung erbracht hat. Kann man dann seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50% nicht mehr so ausüben, wie man es in gesunden Zeiten konnte, gilt man als berufsunfähig.
  • Bei der Erwerbsunfähigkeit kommt es wie bei der Berufsunfähigkeit auf einer dauerhafte Einschränkung an. Aber mit dem Unterschied, dass diese Einschränkung für alle Berufe und Erwerbstätigkeiten gilt und nicht bereits ab 50%. Um beispielsweise eine „Rente wegen voller Erwerbsminderung“ von der Deutschen Rentenversicherung zu bekommen, darf man nicht einmal mehr 3 Stunden am Tag irgendeiner bezahlten Arbeit nachgehen können. Erst dann gilt man als erwerbsunfähig bzw. voll erwerbsgemindert, was im Grunde genommen die gleiche Schwere der Einschränkung meint.

 

Gesundheitliche Einschränkungen und ihre finanziellen Folgen. Vereinfachtes Schema. (c) www.helberg.info

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Nicht Arbeitsunfähigkeitsversicherung, sondern Krankentagegeldversicherung

Da es sinnvoll ist, sich an den korrekten Begriffen zu orientieren, muss man zu der Auffassung gelangen, dass mit der Arbeitsunfähigkeitsversicherung nur die Krankentagegeldversicherung gemeint sein kann. Denn die zahlt einen Betrag für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit. Bei Arbeitnehmern frühestens nach 6 Wochen, wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber endet. Bei Selbstständigen und Freiberuflern auch früher.

So sieht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus (Muster 2016). Aber wie sieht eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung aus?

So sieht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus (Muster 2016). Aber wie sieht eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung aus? Grafikquelle: kvno.de

 

Oder doch die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Folgt man den Google-Vorschlägen landet man mit der Suche nach Arbeitsunfähigkeitsversicherung fast immer bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV). Manche Anbieter machen dafür sogar bezahlte Werbung. Das ist aber Quatsch, denn die Hauptaufgabe der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Absicherung der viele Jahre andauern könnenden Berufsunfähigkeit, siehe oben. Wenn es da nicht die AU-Klauseln gäbe…

 

Berufsunfähigkeitversicherung mit AU-Klausel

Um das Wirrwarrr um Begrifflichkeiten und Versicherungsnamen perfekt zu machen: Inzwischen gibt es einige Berufsunfähigkeitsversicherungen, die auch bereits bei länger (meistens mehr als 6 Monaten) andauernder Arbeitsunfähigkeit (AU) rückwirkend eine Rente zahlen. Allerdings meist auf 18 bis 24 Monate begrenzt. Wenn man es also mit den Begrifflichkeiten nicht so genau nimmt, dann kann man unter einer Arbeitsunfähigkeitsversicherung auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel verstehen. Allerdings ist es keine gute Idee, es gerade bei Versicherungen mit Begrifflichkeiten nicht so genau zu nehmen. Da ist erfahrungsgemäß Ärger vorprogrammiert.

Die Ratenschutzarbeitsunfähigkeitsversicherung

Einige Banken bieten zur Absicherung der von ihnen gewährten Kredite sogenannte Ratenschutzversicherungen an. Die können einen Baustein „Ratenschutzarbeitsunfähigkeitsversicherung“ beinhalten. Damit soll dann die Kreditrate abgesichert werden. Das mag besser sein, als gar keine Absicherung. Wegen der ansonsten eher verbraucher-unfreundlichen Bedingungen (Ausschluss von Vorerkrankungen, maximale Leistungszeit, maximale Höhe usw.) sehen wir darin allerdings keine vernünftige Absicherung der Arbeitsunfähigkeit.

 

Wie macht man es nun richtig, wenn es keine Arbeitsunfähigkeitsversicherung gibt?

Wenn Sie sich vernünftig gegen den Verlust Ihrer Arbeitskraft absichern wollen, brauchen Sie keine „Arbeitsunfähigkeitsversicherung“, sondern:

  • Erstens eine Krankentagegeldversicherung, denn rund ein viertel weniger Geld haben die meisten Leute schon nach 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit. Und die kann ja auch „nur“ 5 Monate andauern, da zahlt eine BUV noch nicht.
  • Zweitens eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) mit oder ohne AU-Klausel, je nachdem. Es gibt ja noch ein paar andere Kriterien, die für eine BUV wichtig sind.

 

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Zuletzt aktualisiert am 03.10.2017 Arbeitsunfähigkeitsversicherung