Helberg Versicherungsmakler
07
Mai
2020

Zahlen-Streik beim GDV in Sachen BU-Versicherung

Kategorie: BU-Versicherung  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  1 Kommentar

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) veröffentlicht keine absoluten Zahlen mehr zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Das führt zu noch weniger Transparenz und steigert gewiss nicht das Vertrauen in die Leistungen der Versicherer.

Keine absoluten Zahlen mehr: Zahlenstreik beim GDVEigentlich wollte ich nur die Zahlen zur Berufsunfähigkeitsversicherung auf unserer Website aktualisieren. Da stehen ja teilweise noch Zahlen aus dem Jahr 2014. Also wurde es Zeit für ein Update. Die spannenden Fragen dabei:

  • Wie viele Menschen haben ein paar Jahre später einen Leistungsantrag gestellt, mussten ihre BU-Versicherung also in Anspruch nehmen?
  • Sind das seit 2014 mehr oder weniger geworden?
  • Wie oft konnten die Lebensversicherer helfen, weil sie eine Berufsunfähigkeit ihrer Kunden anerkannt und die Berufsunfähigkeitsrente gezahlt haben?
  • Wie viele Menschen waren wohl enttäuscht, weil ein Versicherer ihren Leistungsantrag abgelehnt hat?

Alles ganz normale Fragen, oder? Also recherchiere ich mal eben beim GDV. Dachte ich.

 

Unerfüllter Wunsch: Eine nachvollziehbare GDV-BU-Statistik

Dass der GDV es mit nachvollziehbaren Zahlen in Sachen Berufsunfähigkeitsversicherung nicht so hat, können Sie hier seit 2016 beispielsweise im Artikel „Die wenig vertrauenserweckenden BU Statistiken des GDV“ nachlesen. Wie viele andere, hatte auch ich erwartet, der GDV nimmt sich des Problems an. Zum Beispiel könnte eine transparente und nachvollziehbare Statistik folgende Angaben beinhalten:

  • Angabe, welche Versicherer Zahlen geliefert haben und berücksichtigt wurden;
  • wie hoch der Marktanteil dieser Versicherer am BU-Markt (nicht insgesamt in der Lebensversicherung) ist;
  • von welchem Versicherer die Zahlen nicht vorgelegt bzw. nicht berücksichtigt wurden;
  • für welches Kalenderjahr die Zahlen erhoben wurden;
  • Übertrag offener BU-Versicherungsanträge aus dem Vorjahr;
  • Anzahl neuer BU-Versicherungsanträge im Kalenderjahr;
  • Übertrag offener BU-Versicherungsanträge in das Folgejahr;
  • Anzahl im Kalenderjahr angenommener BU-Versicherungsanträge, aufgeschlüsselt nach:
    • zu Normalkonditionen angenommen;
    • mit mindestens einem Leistungsausschluss angenommen;
    • mit Risikozuschlag angenommen;
    • sowohl mit Risikozuschlag als auch mindestens einem Leistungsausschluss angenommen;
  • Anzahl zurückgestellter Anträge;
  • Anzahl abgelehnter Anträge;
  • Übertrag offener BU-Leistungsfälle aus dem Vorjahr
    • davon laufende Gerichtsverfahren;
  • Anzahl neuer BU-Leistungsfälle im Kalenderjahr;
  • Übertrag offener BU-Leistungsfälle in das Folgejahr
    • davon laufende Gerichtsverfahren;
  • Anzahl anerkannter BU-Leistungsfälle im Kalenderjahr;
    • davon Berufsunfähigkeitsrenten;
  • Durchschnittliche Rentenhöhe / Monat der anerkannten Berufsunfähigkeitsrenten;
  • Anzahl nicht anerkannter BU-Leistungsfälle im Kalenderjahr, aufgeschlüsselt nach den Gründen.

Das alles könnte man in einer Tabelle übersichtlich darstellen. Selbst, wenn nicht alle Versicherer Zahlen liefern würden. Vielleicht würde es dann so ähnlich aussehen wie bei der Deutschen Rentenversicherung:

Anträge und Erledigungen von Erwerbsminderungsrenten 2017 der Deutschen Rentenversicherung. Quelle: "Erwerbsminderungsrenten im Zeitablauf 2019" Statistik der Deutschen Rentenversicherung.

Anträge und Erledigungen von Erwerbsminderungsrenten 2017. Quelle: „Erwerbsminderungsrenten im Zeitablauf 2019“, Statistik der Deutschen Rentenversicherung.

 

Verschlimmbesserung: Statt mehr Transparenz keine absoluten Zahlen mehr

Was soll ich sagen? Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich bei der Recherche nun kaum eine dieser absoluten Zahlen mehr beim GDV finden konnte. Auf Nachfrage wurde mir erläutert, es würden immer unterschiedliche Versicherer Zahlen liefern,

„(…) so dass ein Vergleich der absoluten Zahlen nicht aussagekräftig ist.“

Aha. Aber warum sollten die veröffentlichten Quoten aussagekräftiger sein? Wenn die Datenquelle nicht klar ist, bleiben Quoten intransparent. Selbst, wenn sie stimmen.

 

Keine absoluten Zahlen mehr: Zahlenstreik beim GDV

 

 

 

 

 

 

 

 

Vertrauen braucht konkrete und absolute Zahlen. Siehe Corona.

Stellen Sie sich vor, das Robert-Koch-Institut oder die Bundesregierung würde so handeln wie der GDV und nur Quoten veröffentlichen. Das sähe dann vielleicht so aus:

Prozentuale Werte können Menschen schlechter erfassen als absolute Zahlen. Das soll dieses Beispiel verdeutlichen. Angelehnt an den Corona Monitor der Berliner Morgenpost.

Prozentuale Werte können Menschen schlechter erfassen als absolute Zahlen. Das soll dieses Beispiel verdeutlichen. Angelehnt an den „Corona Monitor“ der Berliner Morgenpost.

 

Wer würde sich bei solchen Quoten wohl überhaupt die Hände desinfizieren, geschweige denn zuhause bleiben, auf Urlaub und Kontakte verzichten?

Nur weil wir die absoluten Zahlen ständig sehen, die (zum Zeitpunkt 04.05.2020) 6.866 Todesfälle vor Augen haben, die 165.664 Infizierten, verstehen wir, wie wichtig social distance ist. Wir brauchen bei 6.866 Toten nicht lange nachzudenken, wir spüren unmittelbar, dass bereits viel zu viele Menschen ihre Liebsten wegen Corona verloren haben. Und dass wir nicht schuld an weiteren Toten sein wollen.

 

Fazit

Gerade eine so abstrakte und schwer verstehbare Absicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung braucht nachprüfbare und nach-empfindbare Fakten.

Wer erfährt, dass allein in Deutschland im Jahr 2017 weit über 400.000 (*) Menschen Rente beziehen wollten, weil sie zu krank zum Arbeiten waren, versteht vermutlich schneller, warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist. Bei einer Prozentzahl X tut sich nix.

Es braucht ja nicht jeder einzelne Versicherer seine absoluten Zahlen veröffentlichen. Auch wir wissen, was ein Geschäftsgeheimnis ist. Wenn das Interesse des GDV am Vertrauen der Öffentlichkeit und der Verbraucher am Produkt Berufsunfähigkeitsversicherung größer ist, als an selbstzufriedenem Schulterklopfen, sollte er Ross & Reiter und transparente absolute Zahlen nennen.

(*) Woraus sich diese Zahl ergibt, schreibe ich in einem der nächsten Beiträge.

 

Reaktionen:

Ulrich Neumann, Gothaer

Ulrich Neumann, Leiter Partnervertriebe bei der Gothaer, im Podcast des Gothaer Maklerblog vom 21.05.2020:

An der Stelle ist Kritik berechtigt.

Ulrich Neumann von der Gothaer zu unserer Kritik am GDV: An der Stelle ist Kritik berechtigt.

 

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    Kommentare zu diesem Beitrag

    Löhr  |   8. Mai 2020 um 09:59 Uhr

    Die Versicherer werden nie ein Interesse an Transparnez haben. Es hat schon immer so funktioniert und es wird auch in Zukunft so funktionieren. Wer ist noch mal der GdV? Er ist der Interessenvertreter der Versicherer…

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