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05
Dez
2016

ZDF WISO auf Facebook: Ich sehe was, was du nicht siehst: Zensur

Kategorie: Verbraucherschutz  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  3 Kommentare

ZDF WISO betreibt auf Facebook eine Art Zensur der besonderen Art: Unliebsame Kommentare werden „hintenrum“ verborgen. Der Betroffene und seine Freunde sehen den Kommentar noch, andere User jedoch nicht.

ZDF WISO Facebook Kommentar Zensur. Bildquelle: colourbox.com„Im Internet siehst du nur das, was du sehen sollst“ – diese Erkenntnis hat sich am Freitag einmal mehr bestätigt. Ausgerechnet die Social-Media-Redaktion einer öffentlich-rechtlichen Sendung hat einen kritischen Kommentar von mir – sagen wir einmal – „hintenrum unterdrückt“. Und das kam so:

 

ZDF WISO zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Dass ich mich für das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung interessiere, haben Sie vermutlich schon bemerkt. Wenn die Redaktion eines öffentlich rechtlichen Fernsehsenders darüber berichtet und sich auf Stiftung Warentest bezieht, steigert das mein Interesse nicht erst seit Avanti dilettanti noch ein kleines bisschen mehr.

 

Und so schrieb ich auf der Facebook-Seite von ZDF WISO einen klitzekleinen Kommentar:

Aber nicht ernsthaft mit Tipps von Stiftung Warentest, oder? Was Tests von Berufsunfähigkeitsversicherungen angeht, sind die doch selber irgendwie Betroffene… -> https://www.helberg.info/blog/2015/07/berufsunfaehigkeitsversicherung-test-2015-stiftung-warentest-zeigt-sich-berufsunfaehig/

 

Für mich sah die WISO-Facebook-Seite so aus:

ZDF WISO verbirgt kritische Kommentare auf Facebook, Teil 1. Bildquelle: www.facebook.com/ZDFwiso

So sah der Thread für mich als Kommentator aus. Zum Vergrößern bitte anklicken. Bildquelle: www.facebook.com/ZDFwiso

 

ZDF WISO auf Facebook: Unliebsame Kommentare werden „ausgeblendet“

Für einen Bekannten, mit dem ich auf Facebook nicht befreundet bin, sah die WISO Facebook Fanpage hingegen so aus:

ZDF WISO "blendet" unliebsame Kommentare auf Facebook aus. 7 Kommentare, 6 werden anzeigt. Quelle: /www.facebook.com/ZDFwiso

ZDF WISO „blendet“ unliebsame Kommentare auf Facebook aus. 7 Kommentare werden oben rechts genannt, nur 6 werden anzeigt – trotz Einstellung „Top-Kommentare (ungefiltert)“. Zum Vergrößern anklicken. Quelle: /www.facebook.com/ZDFwiso

Glauben Sie es nicht? Probieren Sie es aus – vor allem, wenn wir auf Facebook nicht befreundet sind. Das können wir dann ja anschließend noch. 😉

 

So funktioniert’s: Facebook’s „Ausblende“-Funktion

Ich gebe zu: Trotz vieler Jahre, in denen wir selber eine Facebook-Fanpage haben, war mir die „Ausblende“-Funktion für Kommentare nicht bekannt. Wir hatten auch keinen Anlass, sie anzuwenden. Was es damit auf sich hat, wusste ich nicht. Wenn man allerdings selber Betroffener ist, steigt spontan die Motivation zur Recherche. Und hier ist sie: Facebooks offizielle „Ausblende-Funktion“.

Wenn du einen Kommentar zu einem Beitrag auf deiner Seite ausblendest, ohne ihn zu löschen, ist er nur für den Verfasser und dessen Freunde sichtbar.

Hinterrücks ist dafür wohl noch ein eher harmloser Ausdruck. Der Betroffene einer solchen Maßnahme merkt von der „Ausblendung“ nichts und seine Freunde auch nicht. Alle anderen können den Kommentar erst gar nicht sehen. Wie war das noch gleich: Du siehst das im Internet, was du sehen sollst.

 

Stellungnahme WISO: Wegen Verlinkung auf kommerzielle Angebote entfernt

Zwischenzeitlich hat die Social Media Redaktion von WISO geantwortet:

Kommentare und Postings, die auf kommerzielle Angebote linken, werden entfernt. Das steht übrigens in unserer „Netiquette“.

Das könnte sogar ich verstehen, wenn es denn so in WISOs Netiquette stünde. Tut’s nur nicht.

WISO zitiert eigene Netiquette falsch. Quelle: www.facebook.com/ZDFwiso

Blöd, wenn man die eigene Netiquette nicht kennt. Quelle: www.facebook.com/ZDFwiso

Selbstverständlich: Mit meinem Blog verdiene ich Geld. Nämlich dann, wenn jemand hier für sich nützliche Informationen findet und zu dem Entschluss kommt, dass er bei uns gut aufgehoben ist, wenn es um den Abschluss seiner Versicherung geht. Alle anderen bekommen die Infos auch – gratis, ohne bezahlte Werbung, ohne Paywall. Was kann ich dafür, wenn der größte Teil der deutschen Massenmedien nicht in der Lage (oder nicht Willens) ist, sogenannte Verbraucherschutzorganisationen wie Stiftung Warentest kritisch und fachlich fundiert zu hinterfragen? Stattdessen wird ohne jegliche Distanz auch deren Unfug nachgeplappert. Der größte Teil der Massenmedien, die sich einmal für „die vierte Gewalt“ hielten, versagt hier seit Jahren auf ganzer Linie. Und so bekommen interessierte Leser hochwertige unabhängige Informationen zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung und Hinweise auf die fatalen Fehler sogenannter Verbraucherschützer eben so gut wie nur auf den Webseiten von Leuten, die – im Gegensatz zu Stiftung Warentest – wirklich etwas davon verstehen. Manchmal, ganz manchmal, liebe Redakteure, kommt Know-how nämlich gerade deshalb zustande, weil man damit sein Geld verdient.

WISO war es hingegen wichtiger, einen Kommentar mit einem Link auf eine „kommerzielle Seite“ zu zensieren. Übrigens ein Link auf einen Beitrag, der immerhin von Wikipedia referenziert wird.

Wikipedia zur Berufsunfähigkeitsversicherung referenziert www.helberg.info. Quelle: www.wikipedia.de/Berufsunfähigkeitsversicherung

Wikipedia zur Berufsunfähigkeitsversicherung referenziert www.helberg.info. Quelle: www.wikipedia.de/Berufsunfähigkeitsversicherung

Beiträge anderer Kommentatoren mit deutlicher Eigenwerbung blieben hingegen unbeanstandet:

Mit dieser Art von Eigenwerbung hat WISO kein Problem? Quelle: www.facebook.com/ZDFwiso

Mit dieser Art von Eigenwerbung hat WISO kein Problem? Quelle: www.facebook.com/ZDFwiso

 

Fazit:

Ganz unabhängig von Berufsunfähigkeitsversicherungen und Stiftung Warentest:

Wir sollten uns bewusst machen, dass wir im Netz mancherorts nur das sehen, was wir sehen sollen. Wie raffiniert das funktioniert, hat mich ehrlich gesagt geschockt.

Öffentlich-rechtliche Medien, wie hier die WISO-Redaktion, nutzen Steuerungsmechanismen wie die „Ausblende“-Funktion bei Facebook meines Erachtens, um unliebsamen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, die sich bei einem offensichtlichen Löschen eines Kommentars eventuell ergeben würden.

Haben Sie das für möglich gehalten?

Hinterlassen Sie gern einen Kommentar. „Verbergen“ können wir ihn hier schon rein technisch nicht. Nur der erste Kommentar von Ihnen muss einmalig freigeschaltet werden.

 

Kommentare zu diesem Beitrag

Schmidt  |   5. Dezember 2016 um 12:01 Uhr

Es verwundert nicht. Dafür braucht man sich nur die Experten-„Auswahl“ in anderen Magazinen des Senders (Im MoMa) anzuschauen. Schade nur, dass man sich dem Verbraucherschutz beim ZDF nur „einäugig“ verpflichtet fühlt.

Susanne Richter  |   9. Dezember 2016 um 18:38 Uhr

Es ist irgendwie zum piepen. Ich bin Mitglied in einer Facebook-Gruppe, in der viele Blogger und Einzelkämpfer- Selbständige sich mit der Frage befassen, wie man an Journalisten rankommen kann, um seine Artikel, Blogbeiträge, Bücher, Meinungen medial an die Öffentlichkeit zu bringen. Von den Journalisten-Profi´s in der Gruppe heisst es da immer: Oh, Ihr müsst die richtige Zeit abpassen, Ihr dürft sie nicht nerven u.v.m.. Für Journalisten hingegen wäre es doch ein Kinderspiel, genau diejenigen anzusprechen, die (wie Helberg sogar erwiesenermaßen) Experten der zu recherchierenden Themen sind. Da muss es also etwas anderes geben, weshalb sie das nicht tun. Angst vor Maklern, den wirklichen Verbraucherschützern? Angst, selbst als Depp dazustehen? Oder etwa „FIFA“-Filz …? Wie auch immer: Letztlich hilft keine noch so raffinierte Ausblende-Funktion. Das sag ich Euch gehetzten, oberflächlichen Journalisten. Auch, wenn Ihr nicht müde werdet, zu behaupten: Niemand hat die Absicht, einen Kommentar zu verbieten … oder doch eine Mauer zu bauen.

Hubert Gierhartz  |   13. Dezember 2016 um 09:42 Uhr

Ein schöner Erfolg. Aber leider sind wir erst am Anfang. In der Vergangenheit habe ich viel mit den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten zu Thema Versicherungen korrespondiert. Die Korrespondenz kann ich gerne zur Verfügung stellen.
In erster Linie ging es immer um die sogenannten Experten die zu Thema Versicherungen zu Worte kommen, und mit mangelden Kenntnissen strotzen.
Nehmen wie einmal Frau Bianca Boss – bezeichnet sich als Pressesprecherin des BdV – wird aber uns als Expertin in Versicherungsfragen vorgestellt. Meine direkte schriftliche Anfage an Frau Boss, welche Ausbildung im Versicherungsbereich sie genossen hat, blieb unbeantwortet. Der Hinweis, dass Frau Boss auch Mitbewerber ist, schließlich vertreibt der BdV Versicherungen, blieb unbeachtet.
Franz-Josef Tenhagen. Hier verweist das ZDF darauf, dass Herr Tenhagen ein Journalist ist, der sogar mit einem Preis ausgestattet wurde. Das reicht als Legitimation aus, um sich als Experten auszugeben. Das Tenhagen nebenher noch Mitbewerber ist , ignorieren die öffentlich rechtlichen Sender vollständig. Wir finanzieren unsere Konkurrenz. Und das Logo von Finanztip wird fleißig eingeblendet.
Was können wir meines Eachtens in der Zukunft tun. Erst einmal jeden Fehler schonungslos aufdecken, und die öffentlichen rechtlichen Sender an Ihre Aufgaben zu erinnern. ( Beschwerden- haben den Vorteil kosten nichts ) Auf jeden Auftritt von Boss, Tenhagen und Co (auch Verbraucherzentralen, schließlich beraten diese gegen ein Honorar in Versicherungsfragen ) müssen Beschwerden erfolgen. Vielelicht zeigt das ja Wirkung.

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