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08
Jul
2015

„Ein hirnverbrannter BU-Test“

Kategorie: Berufsunfähigkeitsversicherung  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  1 Kommentar

„Ein hirnverbrannter BU-Test“ – ein Kommentar zum Test von Berufsunfähigkeitsversicherungen des „Deutschen Institut für Servicequalität“, kurz DISQ.

BU-Test Dislike Grafikquelle: Colourbox.comJa, wir sind in der Versicherungsbranche einiges gewohnt. Die Versicherer mit Ihrem Versicherungs-Kauderwelsch, den eigenen Süppchen und einer gefühlt möglichst großen Distanz zur Transparenz machen es Kunden, Versicherungsvermittlern und Versicherungsvergleichern wirklich nicht ganz einfach. Das gilt nicht nur, aber wegen der komplexen Zusammenhänge insbesondere, für die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

So richtig grauenvoll wird es, wenn die Selbstberufenen, ahnungslosen Theoretiker und die Dilettanten unter den Prüfsiegelverkäufern sich einmal zur Abwechslung einen BU-Test vornehmen. Vor zwei Jahren blamierte sich Stiftung Warentest / Finanztest beim letzten BU-Test 2013. Aktuell präsentiert das DISQ im Auftrag von n-tv einen BU-Test in Kooperation mit dem Ratingunter­nehmen Franke und Bornberg, den man geflissentlich ignorieren könnte, wenn er nicht gerade durch die Medien ginge und so potentiell verheerend für Verbraucher wäre.

 

Was ist so kritikwürdig am DISQ- BU-Test?

„Die Prämienhöhen der Versicherungen klaffen weit auseinander“ ist das Resümee des Instituts, das über sich selber schreibt „Das privatwirtschaftliche Marktforschungsinstitut verfolgt das Ziel, den Service in Deutschland zu verbessern.“ Aha. Da könnte man natürlich auch einfach schreiben: Service kostet Geld – versteht jeder!

Man hat ganze „vier Kundenprofile“ bei immerhin 40 BU-Tarifen getestet und die Qualität der Versicherungsbedingungen („Leistungen“) und die Beitragshöhe („Kosten“) mit jeweils 50% bewertet.

Der Geschäftsführer des Deutschen Institut für Servicequalität, Marcus Hamer, lässt sich auf n-tv.de zitieren mit den Worten:

„Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird von Experten allgemeinhin als ein wichtiger Risikoschutz-Baustein empfohlen. Alles entscheidend ist dabei der Kosten-Nutzen-Aspekt“.

Schlechtere Versicherungsbedingungen werden demnach durch eine niedrigere Prämie ausgeglichen? Ja, vielleicht solange man nicht berufsunfähig wird…

Was aber bringt eine Ersparnis von vielleicht 30 € im Monat, wenn der gewählte BU-Tarif irgendeine Klausel beinhaltet, wegen der im Leistungsfall nicht gezahlt wird? Oder wenn eine Formulierung so unklar oder ungünstig ist, dass erst jahrelang prozessiert werden muss, wie unlängst in den Fällen, über die Markt auf NDR3 berichtete, oder andere BU-Leistungs-Problem-Fälle, die Ende 2013 die „Welt“ beschrieb? „Hat wenig gekostet, hat nix gebracht“ ist sicherlich ein äußerst schwacher Trost für die betroffenen Versicherten.

Nicht weniger verheerend sind Aufmacher in der Presse wie „Gewaltige Beitragsunterschiede – Sparen bei Risiko-Versicherungen“, siehe n-tv.de.  Da sieht man förmlich schon die Drückerkolonnen der Strukivertriebe anrufen, die mit solchen Vorlagen provisionsgetriebene Umdeckungen hin zu schlechteren Tarifen betreiben, Mehmet Gökers MEG AG lässt sozusagen grüßen.

Man muss sich bei so einem BU-Test wirklich fragen, ob sich die Verursacher bewusst sind, wozu so ein Test-Ansatz führen kann?

 

Die Testsieger im n-tv – BU-Test vom Juni 2015

Wenn der Aufbau (das „Test-Design“) eines BU-Tests schon grober Unfug ist, ist die Spannung um so größer, wer Testsieger in einem solchen BU-Test geworden ist. Um es kurz zu machen: Canada Life, Württembergische und Nürnberger – das sind die Anbieter. Welche Tarife im Detail „getestet“ wurden, ob Risiko-Lebensversicherungen mit BUZ oder nur selbstständige SBU, geht aus der veröffentlichten Tabelle nicht einmal hervor.

Unter den Top 3 Anbietern, also den BU-Testsiegern, finden sich demnach: 1 Versicherer, der Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit seit einem (!) Jahr anbietet, 1 Versicherer mit (berechtigt oder unberechtigt) extrem negativen Ruf im Leistungsfall und 1 Versicherer, der außer durch seine Bonus BU Aktion eigentlich noch nicht wirklich aufgefallen ist.

 

Ein hirnverbrannter BU-Test. Grafikquelle: colourbox.com

Ein hirnverbrannter BU-Test. Grafikquelle: colourbox.com

 

Wie wäre es denn besser?

Jeder mag seine eigene Meinung, sein Know-how und seine Vorgehensweise im Hinblick auf das Finden der richtigen Berufsunfähigkeitsversicherungen haben. Letztlich – und dessen muss man sich klar werden – ist ein BU-Test ja nichts anderes, als eine von wem auch immer veröffentlichte Meinung – worauf sie sich auch stützen mag.

Von Tests, die verallgemeinerte Aussagen auf Basis weniger Modellkunden treffen, halte ich persönlich bekanntlich nullkommagarnix. Um es mit den Worten der geschätzten Kollegin und Versicherungsberaterin Angela Baumeister zu sagen:

BU kann man nicht vernünftig und massentauglich testen.

Wir machen es vollkommen anders:

Zuerst prüfen wir, welche konkreten Konditonen ein Interessent denn wirklich (bei seiner konkreten Tätigkeit, seinen Hobbys und seiner Gesundheitshistorie) bekommen kann. Dazu fragen wir (wenn nötig) im Vorfeld anonymisiert bei verschiedenen Versicherern an, die gute Versicherungsbedingungen haben. Zur Einschätzung nutzen wir auch die Erfahrungen aus den BU-Leistungsfällen unserer Kunden. Oft sind die Antworten der Versicherer auf die Voranfragen so unterschiedlich, dass einige aus dem Rennen fallen, da sie einen Antrag ablehnen, zurückstellen, oder nur mit Risikozuschlag oder Leistungsausschluss annehmen würden. Vielfach bleiben nur wenige Anbieter übrig, die einerseits sehr gute Versicherungsbedingungen haben und andererseits entweder zu normalen Bedingungen, oder aber mit möglichst wenig Einschränkungen tatsächlich Versicherungsschutz bieten wollen. Deren Tarife vergleichen wir dann im Detail und stellen ausführliche Analysen mit über 40 berücksichtigten Kriterien unseren Kunden zur Verfügung. Und zu guter Letzt spielen Beitragshöhen und andere Kriterien (wie beispielsweise Finanzstärke) eine Rolle.

 

Fazit zum DISQ / n-tv BU-Test

Die größte Erkenntnis, die der Leser aus diesem BU-Test mitnehmen kann: Auch anscheinend vollkommene Ahnungslosigkeit von der Wirkungsweise einer Berufsunfähigkeitsversicherung hindert manchen nicht daran, sich zum BU-Tester zu machen und andere nicht, solchen hirnverbrannten Quatsch auch noch zu publizieren.

 

Nachtrag vom 24.07.2015:

„ProContra online“ hat Michael Franke von Franke & Bornberg um eine Stellungnahme zu meiner Kritik gebeten. Hier geht es zum entsprechenden Beitrag.

 

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Vielen Dank für das Lesen des Kommentars Ein hirnverbrannter BU-Test

 

Kommentare zu diesem Beitrag

[…] Was macht eine gute BU aus? Vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man einem aktuellen Test des DISQ (Deutsches Institut für Servicequalität) Glauben schenkt. Versicherungsmakler Matthias Helberg widerspricht dem jedoch vehement. Denn er macht sich Gedanken darüber, was ein niedriger Beitrag bringt, wenn die Gesellschaft dann im Ernstfall womöglich nicht zahlt. Was er über die Testsieger denkt, steht bei Versicherungsmakler Helberg. […]

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