Von 100 Berufsunfähigen wurden 39 Menschen im Jahr 2025 wegen psychischer und Nervenerkrankungen berufsunfähig. Das ist der höchste jemals vom Analysehaus Morgen & Morgen ermittelte Wert.

Seit vielen Jahren veröffentlicht Morgen & Morgen eine hauseigene Statistik zu den Ursachen für Berufsunfähigkeit. Bislang wurden psychische und nervliche Erkrankungen in der veröffentlichten Darstellung zusammen dargestellt. Im Jahr 2026 weist Morgen & Morgen psychische Erkrankungen und sonstige Nervenkrankheiten erstmals getrennt aus.
Als Nervenerkrankungen, die keine psychischen Erkrankungen sind, gelten beispielsweise:
- Epilepsie,
- Polyneuropathie,
- Parkinson,
- Multiple Sklerose,
- ALS,
- Chorea Huntington.
Nervenerkrankungen ohne psychische Krankheiten weist Morgen & Morgen für 2025 mit einem Anteil von 6,98 % als BU-Ursache aus.
Psychische Erkrankungen allein nahmen einen Anteil von 32,34 % ein.
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
- 32,34 % + 6,98 % = 39,32 % für psychische und Nervenkrankheiten als BU-Ursache
- Auch bei der Deutschen Rentenversicherung häufigste Ursache für Erwerbsminderung
- Mehr psychisch Kranke, oder bessere Diagnosemöglichkeiten?
- Private Lebensversicherer bleiben vorsichtig beim BU-Abschluss
- In was für einer Gesellschaft leben wir?
- Wichtigster Tipp für BU-Interessenten
- So gehen Sie in zwei Schritten vor
32,34 % + 6,98 % = 39,32 % für psychische und Nervenkrankheiten als BU-Ursache
Einerseits ist es sicherlich positiv, Nervenerkrankungen und psychische Krankheiten zu differenzieren, um die Ursachen genauer analysieren zu können. Auf der anderen Seite führt eine solche Änderung einer Statistik dazu, dass sie nicht mehr exakt in die Datenreihen der Vorjahre passt.
Um die – aus unserer Sicht – dramatische Entwicklung besser erkennen zu können, haben wir die neuesten Zahlen von Morgen & Morgen wie bisher in einer Gruppe dargestellt und weisen sie auf 39 % gerundet aus.
Ursachen für Berufsunfähigkeit 2025
Was unsere Grafik zu den BU-Ursachen mit den gerundeten Zahlen zeigt:
Von 100 Menschen wurden im Jahr 2025 berufsunfähig …
- 6 wegen Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems,
- 7 wegen Unfällen,
- 14 wegen sonstigen Krankheiten z.B. Augenerkrankungen,
- 16 wegen Krebs und anderen bösartigen Geschwüren,
- 18 wegen Krankheiten des Skelett- und Bewegungsapparates,
- 39 wegen psychischen und Nervenkrankheiten.
Ursachen für Berufsunfähigkeit von 2007 bis 2025
Besonders deutlich werden die Änderungen bei den Ursachen für Berufsunfähigkeit, wenn man sich die Entwicklung über die letzten Jahre ansieht. In der folgenden Grafik stellen wir sie auf Basis der Zahlen von Morgen & Morgen dar, die wir wiederum gerundet haben.

Auffällig ist, dass der Anteil von Krankheiten des Skelett- und Bewegungsapparates, des Herzens und des Gefäßsystems, sowie von Unfällen als BU-Ursache quasi kontinuierlich gesunken ist.
Hingegen ist der Anteil von Krebs und anderen bösartigen Geschwülsten von rund 14 % auf 16 % gestiegen.
Extrem stark gestiegen ist der Anteil von psychischen und Nervenkrankheiten als BU-Ursache, und zwar von rund 22 % im Jahr 2007 auf nun 39 % im Jahr 2025 – eine Steigerung um über 77 %.
Hinweis zur Einordnung der Morgen & Morgen – Statistik
Morgen & Morgen veröffentlicht die Prozentwerte zu den BU-Ursachen, nennt öffentlich aber keine absoluten Zahlen der zugrunde liegenden Leistungsfälle und der Versicherer, die dafür Daten geliefert haben. Die Statistik ist deshalb zwar ein wichtiger Branchenindikator, aber keine Art amtliche Vollerhebung, wie sie die Deutsche Rentenversicherung sehr transparent veröffentlicht.
Auch bei der Deutschen Rentenversicherung häufigste Ursache für Erwerbsminderung
Die Entwicklung in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Ausnahme.
Auch bei der Erwerbsminderungsrente zeigt sich die große Bedeutung psychischer Erkrankungen. 2024 entfielen 69.294 Neuzugänge auf die Indikationsgruppe Psychosomatik und Psychotherapie; das waren 40,4 % aller Neuzugänge in Erwerbsminderungsrenten nach den wichtigsten Indikationsgruppen. Quelle: Broschüre Statistik der Deutschen Rentenversicherung Rente 2024 (PDF Download, ca. 1,79 MB).
Mehr psychisch Kranke, oder bessere Diagnosemöglichkeiten?
Lässt die deutliche Zunahme psychischer und Nervenerkrankungen als Ursache für Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung darauf schließen, dass mehr Menschen an diesen Krankheiten erkranken? Oder lassen sich einfach mehr Menschen behandeln?
Ob psychische Erkrankungen in der Bevölkerung im gleichen Umfang häufiger auftreten, lässt sich nicht sicher sagen. Untersuchungen sprechen dafür, dass heute mehr psychische Erkrankungen erkannt, diagnostiziert und dokumentiert werden. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf reale Zunahmen psychischer Belastungen und einzelner Störungsbilder, insbesondere depressiver und Angstsymptome, berichtete das Deutsche Ärzteblatt.
Private Lebensversicherer bleiben vorsichtig beim BU-Abschluss
Vor dem Hintergrund des Anstiegs psychischer Erkrankungen als BU-Ursache verwundert es nicht, dass private Lebensversicherer weiterhin sehr vorsichtig entscheiden, wenn jemand eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz psychischer Vorerkrankung abschließen möchte.
Trotz aller kommunizierter Bemühungen, mehr Menschen mit einer sogenannten „F-Diagnose“ (siehe ICD-Code-Knacker) in der Gesundheitshistorie Versicherungsschutz zu bieten, kommt es nach wie vor häufig zu Ablehnungen und Zurückstellungen. Das bedeutet: Zumindest zum Zeitpunkt der Anfrage kommt keine Berufsunfähigkeitsversicherung zustande.
In einigen Fällen kann eine BU mit einem Ausschluss psychischer Krankheiten angeboten werden. Wird ein solcher Ausschluss nur für psychische Erkrankungen vereinbart, bleiben andere Ursachen versichert. Bezogen auf die M&M-Zahlen 2025 wären das rechnerisch rund zwei Drittel der BU-Ursachen. Je nach konkreter Ausschlussformulierung kann der Ausschluss aber weiter reichen, etwa wenn auch psychosomatische Beschwerden oder bestimmte nervliche Erkrankungen einbezogen werden.
Erfahrungsgemäß kann eine BU-Versicherung trotz angegebener F-Diagnose eher selten als Normalannahme zustande kommen. Zum Beispiel, weil es sich um eine Trauerreaktion handelte, die mit einer kurzen Krankschreibung erledigt war. Oder, weil eine Psychotherapie nicht wegen psychischer Vorerkrankungen, sondern zur Selbstoptimierung bzw. als Coaching durchgeführt wurde.
In was für einer Gesellschaft leben wir?
Wir finden die Entwicklung psychischer Erkrankungen als BU-Ursache beklemmend. Zumal wir den Eindruck haben, dass viele Menschen über viele, viele Jahre mit den Beschwerden und dem Leidensdruck leben müssen.
Insofern verstehen wir jeden sehr gut, der sich professionelle Unterstützung sucht, um die Beschwerden zu überwinden.
Um so fassungsloser macht es uns, dass nun Honorare für Psychotherapeuten reduziert werden sollen, anstatt alles dafür zu tun, dass jede(r) möglichst schnell, möglichst vor Ort eine bestmögliche Unterstützung finden kann.
Wir bei Helberg wünschen uns jedenfalls eine Gesellschaft, in denen Kranken schnell und erfolgreich geholfen wird, in der jede und jeder sich frei entfalten und etwas aus ihrem / seinen Leben machen kann. Auch dann bleiben noch genügend Herausforderungen für ein glückliches Leben.
Wichtigster Tipp für BU-Interessenten
Wegen der nach wie vor angespannten Lage und vorsichtigen Reaktion der Versicherer lautet unser wichtigster Tipp für BU-Interessenten: Bei psychischen Vorerkrankungen und Therapien nicht auf gut Glück einen Antrag stellen. Denn jeder abgelehnte BU-Antrag reduziert potenziell die Chancen bei anderen Versicherern.
Anonyme Ersteinschätzung und Risikovoranfrage klären Chancen auf Schutz
Durch eine anonyme Ersteinschätzung finden an einer BU Interessierte heraus, wie ihre Chancen trotz psychischer Vorerkrankung eingeschätzt werden. Dazu müssen nur einige Fragen online beantwortet werden.
Sieht die Ersteinschätzung nicht nach einer direkten Ablehnung aus, zeigt eine anonyme Risikovoranfrage die konkrete Entscheidung mehrerer Versicherer. Dazu muss man keinen Antrag stellen und die eigenen Daten bleiben gegenüber den Versicherern anonym.


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