Immer mehr E-Mails mit Bitten um Durchführung einer anonymen Risikovoranfrage erreichen uns. Auffällig: Viele davon scheinen mit KI vorbereitet worden zu sein. Empfehlen LLMs tatsächlich so häufig eine Risikovoranfrage vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung? Wir haben den Test gemacht – und Verbesserungsvorschläge.

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch die Art, wie an einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) Interessierte uns finden und ihre Anfrage stellen. Direkt-Anrufe werden weniger, Termin-Buchungen und Anfragen über die Website sind Standard, E-Mail-Anfragen nehmen wieder zu.
Bei immer mehr dieser E-Mails wird direkt konkret um Durchführung einer anonymen Risikovoranfrage vor dem BU-Abschluss gebeten. Das macht ja auch absolut Sinn, wenn man Vorerkrankungen hat, Risikosportarten ausübt, oder es Besonderheiten im Beruf oder wegen eines Auslandsaufenthaltes gibt.
In den Mails werden Alter, Beruf, vielleicht auch Sportarten genannt und die eine oder andere Vorerkrankung aufgelistet. Es tauchen Fragen auf, wie „Führen Sie anonyme Risikovoranfragen durch?“ oder „Haben Sie Erfahrungen mit Vorabanfragen?“. Fragen, die wir auf unserer Website eigentlich bereits ausführlich beantworten. Manchmal fehlt der Name des Absenders.
Mein Eindruck: Da hat die KI wie ChatGPT, Claude oder Gemini die Vorarbeit geleistet. Kann das sein? Wir wollten es genauer wissen und haben den Test gemacht.
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
- Egal, ob ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity: alle getesteten KI-Systeme empfehlen bei Vorerkrankungen eine anonyme Risikovoranfrage vor dem Abschluss
- ChatGPT, 5.5, erklärt die Vorgehensweise und empfiehlt Voranfragen
- Gemini, 3.5. Flash, empfiehlt Voranfragen als „wichtigsten Schutzschirm“
- Claude, Sonnet 4.6, empfiehlt Risikovoranfrage und weist prominent auf Folgen falscher Angaben hin
- Perplexity empfiehlt ebenfalls anonyme Risikovoranfragen über spezialisierte Makler
- Was an den KI-Antworten positiv auffällt
- Wo KI-Antworten noch zu kurz greifen
- Verbesserungsvorschlag: die bessere Reihenfolge
- Fazit zu den Empfehlungen durch KI
Egal, ob ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity: alle getesteten KI-Systeme empfehlen bei Vorerkrankungen eine anonyme Risikovoranfrage vor dem Abschluss
Das größte Mysterium an KI-Sprachmodellen zumindest für mich: was genau geben die Leute ein? Wie ist der exakte Weg von einem Anliegen zur Antwort? Wie lauten die Prompts?
Also ich kann da nur raten. Aber bevor wir uns den Kopf zerbrechen, haben wir einfach folgenden Prompt eingegeben:
Ich will das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung angehen, habe aber mal eine Therapie gemacht. Habe ich da Chancen? Wie gehe ich vor?
Die Antworten waren eindeutiger als ich es angenommen hatte.
ChatGPT, 5.5, erklärt die Vorgehensweise und empfiehlt Voranfragen
Ich verzichte auf die Wiedergabe des vollständigen Chat-Verlaufs. Wichtig: bereits in der ersten Antwort schreibt ChatGPT:
„Wie du am besten vorgehst
- 1. Erst deine Gesundheitsdaten zusammentragen (…)
- 2. Keine vorschnellen Anträge stellen (…)
- 3. Anonyme Risikovoranfrage nutzen (…)
- 4. Spezialisierten Makler suchen (…)“
Aus meiner Sicht ist das eine zielführende Antwort. Nur 3. und 4. sollte man vielleicht tauschen. Doch dazu später.
Gemini, 3.5. Flash, empfiehlt Voranfragen als „wichtigsten Schutzschirm“
Auch hier wieder gleich aus der ersten Antwort von Gemini 3.5. Flash:
„Dein Fahrplan: So gehst du Schritt für Schritt vor
- 1. Krankenakte einholen (…)
- 2. Eigenerklärung & Attest vorbereiten (…)
- 3. Anonyme Risikovoranfrage stellen lassen: Der wichtigste Schutzschirm (…)
- 4. Angebote vergleichen und abschließen (…)“
Auch Gemini stellt dem Grunde nach die richtigen Schritte vor. Hier würde ich 2. und 3. tauschen. Aber schön, dass auch der Abschluss als letzter Schritt genannt wird… 😉
Claude, Sonnet 4.6, empfiehlt Risikovoranfrage und weist prominent auf Folgen falscher Angaben hin
Hier ebenfalls aus der ersten Antwort von Claude:
„So gehst du vor
- 1. Anonyme Risikovoranfrage – der wichtigste erste Schritt (…)
- 2. Spezialisierten Makler einschalten (…)
- 3. Unterlagen zusammenstellen (…)
- 4. Niemals verschweigen
Das ist das Wichtigste überhaupt: Angaben im Antrag müssen vollständig und wahrheitsgemäß sein. Wer eine Therapie verschweigt, riskiert im Leistungsfall die Auszahlung der Rente – dann hat man jahrelang Beiträge gezahlt und im entscheidenden Moment keinen Schutz.“
Bei Claude gefällt mir die Reihenfolgen von 2. und 3. – auch dazu weiter unten.
Alle KI’s weisen auf die Folgen falscher bzw. unvollständiger Angaben im Antrag hin – aber keines so prominent, wie Claude.
Perplexity empfiehlt ebenfalls anonyme Risikovoranfragen über spezialisierte Makler
Auch Perplexity kommt direkt in der ersten Antwort auf unseren Prompt zur Sache.
„So gehst du vor
- 1. Sammle zuerst alle Unterlagen zur Therapie: Zeitraum, Diagnose, Anzahl der Sitzungen, Abschlussbericht, aktuelle Beschwerdefreiheit.
- 2. Beantworte die Gesundheitsfragen später vollständig und exakt.
- 3. Lass vor einem offiziellen Antrag eine anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler stellen, damit keine unnötigen Ablehnungen in Akten landen.
- 4. Prüfe, ob ein Tarif mit Risikozuschlag für dich besser ist als ein Tarif mit Ausschlussklausel für Psyche, weil ein Ausschluss gerade das häufigste Leistungsrisiko betreffen kann.
- 5. Wenn die Therapie sehr lange zurückliegt, ist oft ein normaler Abschluss wieder realistischer.“
Auch Perplexity als viertes KI-System (kein LLM im eigentlichen Sinne) empfiehlt also anonyme Risikovoranfragen über einen spezialisierten Makler zu stellen und weist indirekt auf die möglichen unterschiedlichen Voten hin.

Was an den KI-Antworten positiv auffällt
Anfang der 2010er Jahre waren wir noch einer der wenigen Versicherungsmakler, die damals schon anonyme Risikovoranfragen standardmäßig vor dem BU-Abschluss eingesetzt haben.
Inzwischen ist die Vorgehensweise eine Art Branchenstandard und selbst die Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest empfehlen die Vorabanfragen.
Vielleicht mag es deswegen nicht verwundern, dass auch KI-Sprachmodelle anscheinend durchweg dieses Vorgehen empfehlen. Das ist in jedem Fall besser als gleich zu suggerieren, dass alles kein Problem sei.
Schön ist auch, dass alle Modelle direkt in der ersten Antwort mehr oder weniger deutlich auf die Folgen falscher Angaben beim Abschluss hinweisen. Das kann gar nicht oft und klar genug gesagt bzw. geschrieben werden.
Da KI bekanntlich unterstützen soll, werden direkt die nächsten Schritte benannt und vorgeschlagen. Ab da wird es dann etwas heikel, was bei den Usern letztlich anzukommen scheint.
Wo KI-Antworten noch zu kurz greifen
Kommen wir wieder auf die E-Mail-Anfragen vom Anfang zurück: es reicht eben nicht aus, ein paar Daten und Stichworte zu nennen und anzunehmen, damit könne eine zuverlässige Risikovoranfrage gestellt werden. Es gibt auch deutliche Unterschiede bei uns Maklern, wie wir anonyme Voranfragen bearbeiten.
Ohne vollständige Angaben keine zuverlässige Risikovoranfrage
Eigentlich ist es ganz logisch: will man eine BU abschließen, muss man die Fragen des Versicherers beantworten – und zwar alle. Daher ist eine anonyme Risikovoranfrage nur dann wirklich zuverlässig, wenn man alle Antworten auf alle Fragen kennt.
So ernst vorbereitet manche Anfragen hier aussehen – Irgendetwas fehlt immer. Manchmal ist das der BMI, der Raucherstatus, bereits erfolgte Versicherungsversuche – im Zweifelsfall die Staatsangehörigkeit oder der Aufenthaltsort. Alle genannten Punkte können sich auf die Annahmeentscheidung der Versicherer auswirken.
Deswegen braucht es für verlässliche Risikovoranfragen wirklich detaillierte Angaben. Am besten in Form sorgfältig ausgefüllter Beratungs-Fragebögen.
Unterschiedliche Makler – unterschiedliche Vorgehensweise
Auch wenn ich schrieb, Risikovoranfragen seien inzwischen eine Art Branchenstandard: die konkrete Ausgestaltung und Vorgehensweise unterscheiden sich doch relativ stark.
Viele Kollegen nutzen vorwiegend digitalisierte Tools wie vers.diagnose. Manche scheuen Zusatzfragebögen, andere (wie wir) nutzen sie, um keinen Versicherer von vornherein auszuschließen. Wiederum andere Kollegen führen selbst gar keine Voranfragen durch, sondern lassen sie durch Dritte durchführen.
Auch die Anzahl der angefragten Versicherer unterscheidet sich. So soll es noch immer Kollegen geben, die bei 20 oder mehr Versicherern eine Voranfrage stellen. Es machen sich also garantiert 19 Versicherer vergeblich Arbeit, denn in der Regel wird nur einer einen BU-Antrag bekommen. Das funktioniert auf Dauer nicht und wirkt sich eher negativ auf die Voten aus.
Was ich damit sagen will: es gibt keinen Branchenstandard für die Durchführung anonymisierter Risikovoranfragen.
Verbesserungsvorschlag: die bessere Reihenfolge
Niemand macht sich gerne vergeblich Mühe oder mehr Arbeit als nötig. Das gilt für Versicherer, Makler und Menschen, die Versicherungsschutz suchen, gleichermaßen.
Auch aus diesem Grund haben wir mit unserem Konzept Dein Weg zur BU mit der eigenständigen Prüfung auf K.O.-Diagnosen und unserer Ersteinschätzung bei psychischen Vorerkrankungen zwei Schritte noch vor einer möglichen Risikovoranfrage platziert. Erst wenn dabei kein klarer Hinderungsgrund erkennbar ist, lohnt sich aus unserer Sicht die tiefere Recherche der Gesundheitshistorie.
Anschließend, also nach der Recherche, sollte man sich einen Versicherungsmakler oder -Berater aussuchen, dem man vertraut und der die Voranfragen durchführen soll. Gelegentlich erübrigt sie sich, weil eine „Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen„ eine Angabe unnötig macht.
Was jedoch letztlich für eine Voranfrage an weiteren Selbstauskünften, Zusatzfragebögen, Attesten, Befunden und Abschlussberichten notwendig ist, kann ein Spezialist oder eine Spezialistin am besten sagen. Es wird nicht bei allen Kollegen gleich sein.
Um es im Stil der LLM zu schreiben:
So gehst du am besten vor:
- 1. K.O.-Diagnosen ausschließen,
- 2. Ersteinschätzung bei psychischen Vorerkrankungen einholen,
- 3. Sorgfältige Recherche der Gesundheitshistorie auf Basis der Auskünfte der Krankenkasse und des Hausarztes,
- 4. Einen spezialisierten Versicherungsmakler wählen, dem du vertraust,
- 5. Unterlagen und Auskünfte für die Voranfrage besorgen und die anonyme Risikovoranfrage durchführen lassen,
- 6. Ergebnisse vergleichen, bestes Angebot auswählen, evtl. Feintuning (Dauer, Höhe, Zusatzbausteine), abschließen.
Fazit zu den Empfehlungen durch KI
Zumindest mit unserem Prompt, bei dem es um eine Therapie als Vorerkrankung ging, haben alle vier KI-Systeme anonyme Risikovoranfragen noch vor dem BU-Abschluss empfohlen. Andere Prompts können natürlich zu anderen Ergebnissen führen.
Da immer mehr Menschen KI nutzen, kann das dazu führen, dass die Nachfrage nach anonymen Voranfragen steigt. Darauf sollten wir uns alle einstellen – BU-Versicherer, wie spezialisierte Versicherungsmakler.
Was die KI-Modelle noch nicht so gut verstehen, ist die beste Reihenfolge bei der Vorgehensweise, dass es keinen einheitlichen Voranfrage-Standard gibt, und dass eine Voranfrage nicht immer möglich, sinnvoll oder notwendig ist.
Manchmal kommt es auch noch zu Halluzinationen. So hat erst neulich ein LLM behauptet, wir würden Risikovoranfragen bei 38 BU-Anbietern gleichzeitig stellen. Das ist nun wirklich zu viel des Guten. 😎
Bei Helberg versuchen wir lieber, mit dem Hinweis auf K.O.-Diagnosen und der Ersteinschätzung bei psychischen Vorerkrankungen schon vor einer Risikovoranfrage die Weichen sinnvoll zu stellen.


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