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Versicherungsblog mit Schwerpunkt Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung und Verbraucherschutz.
20
Mai
2026

BU Test 2026 der Stiftung Warentest: Jetzt alles gut?

Kategorie: BU-Versicherung, Verbraucherschutz  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  0 Kommentare

Stiftung Warentest hat wieder Berufsunfähigkeitsversicherungen getestet, diesmal mit Stand 1. April 2026. Im Vergleich zu früheren Tests fallen eine größere Sorgfalt und weniger Fehler auf. Inkonsequenz und Intransparenz bleiben.

„Kunden sollten immer nach den besten Versicherungsbedingungen fragen.“

„Stiftung Warentest Finanzen“, Ausgabe 06.2026, Seite 86

Inhalt

Berufsunfähigkeitsversicherungs-Test 2026: Anbieter mit Qualitätsurteil „sehr gut“ von Stiftung Warentest

In diesem Jahr wurden folgende Versicherer und Tarife von Stiftung Warentest mit „sehr gut“ prämiert. Wir haben sie wieder in alphabetischer Reihenfolge nach Anbieter und mit der Gesamtnote gelistet. Je geringer die Gesamtnote, desto besser ist die Bewertung, ähnlich wie bei Schulnoten.

VersichererTarifGesamtnote
AllianzKomfort1,0
AllianzPremium1,0
Alte LeipzigerBV101,3
AXASBU1,1
Baloise / HelvetiaSBU BAL0,8
Bayern VersicherungSBU1,4
BY die BayerischeProtect1,4
BY die BayerischeProtect Prestige1,4
Canada LifeSBU1,0
Cosmos DirektPremium0,9
DBVSDV1,1
DialogSBU profess.0,9
ErgoKomfort1,4
ErgoPremium1,3
EuropaE-BU0,9
GeneraliSBU1,4
GothaerPremium1,3
HannoverschePremium0,9
HannoverschePremium-Plus0,9
HannoverschePremium-Exkl.0,8
HanseMerkurPB1,0
HDIEgo Top0,8
HUK2424 Premium1,5
HUK2424 Premium Plus1,3
HUK CoburgPremium1,5
HUK CoburgPremium Plus1,3
LV1871Golden BU1,5
ProvinzialBU smart1,2
R+VComfort1,1
R+VPremium1,1
R+VCondor Classic1,3
R+VCondor Comfort1,1
R+VCondor Premium1,1
Signal IdunaExklusiv plus1,4
StuttgarterSBU V911,0
SV SachsenTop-SBV1,4
Volkswohl BundSBU1,4
VPVSBU1,0
VRKPremium1,3
VRKPremium plus1,5
WürttembergischeSBU1,5
ZurichSBU1,4

Die Gesamtnote setzt sich zu 75 Prozent aus den Werten der Versicherungsbedingungen und zu 25 Prozent aus den Werten der Antragsformulare zusammen.

Bis zu einer Gesamtnote von 1,5 wurde ein „sehr gut“ vergeben“.

42 Angebote schnitten mit „sehr gut“ ab, 10 mit „gut“, 4 mit „befriedigend“. Ein „ausreichend“ oder „mangelhaft“ wurde nicht vergeben.


Die BU-Testsieger 2026 von Stiftung Warentest

Als Testsieger, oder Spitzenreiter, wie es im Artikel heißt, nennt Stiftung Warentest:

  • Baloise,
  • Hannoversche,
  • HDI.

Ist jetzt alles gut beim Berufsunfähigkeitsversicherung Stiftung Warentest Test 2026?
Ist jetzt alles gut beim Berufsunfähigkeitsversicherungs-Test von Stiftung Warentest? Bildquelle: Stiftung Warentest.

75 % der BU-Angebote findet Stiftung Warentest „sehr gut“

56 Angebote – sprich BU-Tarife – von 30 Versicherern hat die „Finanzen“-Redaktion getestet. Nicht am Test teilgenommen haben weitere 16 Versicherer:

  • Credit Life
  • DEVK
  • Continentale
  • Debeka
  • Deutsche Ärzteversicherung
  • Helvetia
  • Inter
  • Itzehoer
  • LVM
  • Mecklenburgische
  • Münchener Verein
  • Nürnberger
  • Öffentliche Braunschweig
  • Öffentliche Oldenburg
  • Ösa
  • Universa
  • VGH

Alle Anbieter berücksichtigt?

Auf Seite 85 des Finanzen-Hefts von Stiftung Warentest heißt es, man habe alle Lebensversicherer in Deutschland nach den BU-Versicherungsbedingungen und Angeboten für eine selbständige BU gefragt.

Im BU-Test wurden 30 Versicherer mit ihren Tarifen getestet, 16 Versicherer werden namentlich genannt, die nicht teilgenommen haben. Macht in der Summe 46 Lebensversicherer.

Unsere Liste der Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen in Deutschland kommt auf 59 Anbieter. Wir zählen allerdings auch Konsortien, wie z.B. die Klinikrente, als Anbieter mit und unterscheiden nicht nach SBU und BUZ.

So werden Versicherer wie die Concordia, myLife, Standard Life und WWK im BU-Test nicht berücksichtigt.

Wie viele „sehr gut“ sind hilfreich?

Im Vergleich zum letzten BU-Test von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2024 („Finanztest optimal?“), bei dem rund 57 % der Angebote mit „sehr gut“ abschnitten, sind es nun im Jahr 2026 also gleich 75 %.

Mit einer so großzügigen Vergabe von Maximalbewertungen ist die Stiftung Warentest allerdings nicht allein.

So werden beispielsweise im BU-Rating 2026 von Morgen&Morgen gleich 84 % der Tarifkonfigurationen mit der Höchstbewertung von 5 Sternen ausgezeichnet, wie die nachfolgende Grafik darstellt.

537 BU-Tarife hat Morgen&Morgen mit 5 Sternen ausgezeichent, 26 mit 4 Sternen, 71 mit 3 Sternen und 2 mit einem Stern.
Die „Sterneverteilung“ im BU-Rating von Morgen&Morgen in einer Zeitreihe von 2022 bis 2026: Immer mehr Tarifkonfigurationen bekommen die Höchstnote, immer weniger nur einen oder 2 Sterne. Quelle: Morgen&Morgen.

Etwas anders sieht es bei Franke und Bornberg aus: Dort bekommen im Rating der selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen (also analog zum BU-Test 2026 von Stiftung Warentest) nur 31,1 % der Tarifkonfigurationen die Höchstbewertung von FFF+, wie die nachstehende Grafik zeigt.

31,1 % der getesteten Tarife erhielten bei Franke und Bornberg die Höchstnote FFF+, 46,5 % ein FFF, 14,2 % ein FF+, 5,3 % ein FF, 3,2 % ein F+. Insgesamt wurden 190 Tarifkonfigurationen getestet.
Die „F-Verteilung“ bei Franke und Bornberg zur selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung im Vergleich von 2025 zu 2026: Weniger schlechtere Einstufungen, weniger Maximalbewertungen, dafür bekommen fast 50 Prozent die zweithöchste Bewertung von FFF. Quelle: Franke und Bornberg.

Unwidersprochen haben die meisten BU-Angebote am deutschen Markt ein sehr hohes Qualitätsniveau erreicht – insbesondere, wenn man das an alten Kriterien der frühen 2000er Jahre festmacht. So findet man es bei Stiftung Warentest nach wie vor wert zu testen, ob

  • auf die abstrakte Verweisung verzichtet wird,
  • ob es einen Prognosezeitraum von 6 Monaten gibt,
  • ob für die 6 Monate auch rückwirkend geleistet wird,
  • ob für mindestens 3 Jahre rückwirkend geleistet wird.

Die Frage ist nur, inwieweit einem Laien solche Kriterien und inflationäre Bestbewertungen tatsächlich helfen, das für ihn wirklich gut passende Angebot zu finden.

Tests und Ratings als Geschäftsmodell

So nützlich Tests und Ratings auch einmal sein können – letztlich sind es Geschäftsmodelle, das sollte man nicht vergessen.

Eine Standardlizenz bei Stiftung Warentest zur Nutzung des Test-Logos für ein Jahr pro Tarif kostet inzwischen 14.990 Euro. Zuzüglich Mehrwertsteuer.

Es versteht sich bei den Preisen von selbst, dass man als getesteter Anbieter dann auch ein „sehr gut“ auf dem Siegel erwartet – oder?


Überwiegend nützliche Infos im Artikel zum BU-Test 2026

Viele Infos der Redaktion im Artikel „Berufsunfähig – wer denkt denn schon an so was?“ sind nützlich und die krassen Fehlinformationen vergangener Jahre wurden diesmal vermieden.

Gut sind beispielsweise Hinweise auf die Notwendigkeit einer BU-Absicherung („schlicht notwendig“), auf Gestaltungsmöglichkeiten während der Laufzeit und die Bedeutung von Vorerkrankungen und damit verbunden den Gesundheitsfragen in den BU-Anträgen. Zu letzterem später mehr.

Es fehlt auch nicht der Hinweis, sich Auskünfte der Krankenkasse zu besorgen und vom großen Nutzen einer anonymen Risikovoranfrage vor dem eigentlichen Abschluss wird ebenfalls berichtet.

Der Artikel enthält darüber hinaus eine sehr gute Grafik zu den späteren Erhöhungsmöglichkeiten der BU-Rente ohne erneute Gesundheitsfragen – deutlich besser, als das viele Versicherer darstellen. Fachausdrücke wie Beitragsdynamik, Leistungsdynamik und Garantien zur Nachversicherung werden gut erklärt.

Letztlich wird auch mit dem Vorurteil aufgeräumt, BU-Versicherer würden im Ernstfall nicht zahlen. Man verweist dazu auf eine Statistik des GDV, nach der 80 % der Leistungsanträge anerkannt werden. Wir selbst finden die Statistiken des GDV ja nicht so klasse, siehe unter Zahlenstreik beim GDV – aber nun.

Kleine Ausrutscher

Bei den vielen guten Infos muss man schon genau lesen, um hier und da einmal einen fachlichen Ausrutscher der Redaktion zu finden.

„Häufig können Kunden eine Rente bis 70 % des Bruttogehalts vereinbaren“ (Seite 81 im Testheft) würden wir so z.B. nicht unterschreiben. Bei der Mehrzahl der Anbieter liegt die Grenze bei 60 % oder darunter.

„Für manche Erkrankungen besteht ein hohes Ablehnungsrisiko, etwa chronische Rückenschmerzen (…) oder Multiple Sklerose“ (Seite 82 im Heft): Die Aussage ist zumindest unklar: Ist damit gemeint, der Antrag wird abgelehnt, oder es kommt zu einem Leistungsausschluss? Bei Rückenschmerzen sehen wir eher den Ausschluss. Hingegen ist Multiple Sklerose ganz klar eine K.O.-Diagnose, bei der kein BU-Versicherungsschutz möglich ist.


Inkonsequenz: Korrekturen oder hü-hott?

Wenn man sich die BU-Tests von Stiftung Warentest, der Zeitschrift Finanztest – oder wie sie jetzt heißt Finanzen – über die vergangenen Jahre ansieht, stößt man auf deutlich widersprüchliche Empfehlungen. Ich frage mich da manchmal, ob das einfach ein Lernprozess ist, oder man mal eben so oder so empfiehlt, weil man vielleicht selbst keine klare Linie hat.

Unvergessen ist z.B. der Hinweis aus dem Test 2013, „der Vertrag läuft jeweils nur bis 60, um den beiden Modellkunden Beispiele für bezahlbare Policen zu zeigen.“ Zum Glück hat man das korrigiert und landet seit einigen Jahren bei der Empfehlung, den Vertrag bis 67 abzuschließen.

Vor zwei Jahren, beim Test 2024, hieß es bei Stiftung Warentest noch „Die Höhe der Rente sollte so bemessen sein, dass Miete oder Kreditrate, Lebensunterhalt, Krankenversicherung, Altersvorsorgebeiträge und gegebenenfalls die Ausbildung von Kindern finanziell gedeckt sind.“ Ich hatte damals kritisiert, dass das etwas großzügig kalkuliert sein könnte und dass man eventuelle Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente aus der Deutschen Rentenversicherung nicht völlig außer Acht lassen sollte.

Nun kommt man zu der Erkenntnis, dass es einen großen Unterschied macht, ob jemand von der staatlichen Erwerbsminderungsrente leben muss, „oder ob zusätzlich etwa 1.000 Euro, 2.000 Euro oder mehr monatlich aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung fließen.“ Aha.

Viel mehr Hinweise auf eine vernünftige BU-Rentenhöhe – am besten bei verschiedenen Szenarien – bietet der Artikel leider nicht. Bis auf den Hinweis auf Seite 89:

„Tipp: Kalkulieren Sie die Höhe der Rente für Berufsunfähigkeitsschutz so, dass Sie im Leistungsfall auch die Beiträge für die Altersvorsorge weiterzahlen können.“

Etwas mehr Infos zum Thema wären sicherlich gut gewesen. Wenn Sie gerade selbst wegen der Höhe Ihrer BU-Rente überlegen, nutzen Sie mal unseren BU-Bedarfsrechner. Mit ihm können Sie Einnahmen, Ausgaben, vorhandene Absicherungen, die Art der Krankenversicherung und unterschiedliche Szenarien durchrechnen.


Zum BU-Test 2026 selbst

Hier in Kürze ein paar Punkte, die mir beim eigentlichen Berufsunfähigkeitsversicherung Test 2026 aufgefallen sind.

Intransparentes Test-Design bleibt

Weiterhin hält Stiftung Warentest an diesem komischen Test-Design fest: Einige Kriterien werden geprüft und das Ergebnis in einer Tabelle angezeigt, andere Kriterien will man ebenfalls getestet haben, zeigt die Ergebnisse aber nicht. Das ist intransparent.

Denn wer die Kriterien eines Tests oder eines Ratings festlegt, bestimmt damit auch die Reihenfolge, also das Ranking, der getesteten Kandidaten.

Viel Platz für Standard-Kriterien ohne Unterschiede verschwendet

Wenn man schon viele getestet haben wollende Kriterien aus Platzgründen in einem Heft nicht darstellen kann, wäre es vielleicht eine gute Idee zu überlegen, wofür man den begrenzten Platz nutzt.

Stattdessen gibt es eine Spalte für den Verzicht auf die abstrakte Verweisung – den alle getesteten Tarife erfüllen, es gibt keine einzige Ausnahme. Zusätzlich gibt es eine weitere Spalte für die Teilnahme am Ombudsmannverfahren. Hier gibt es immerhin mit der Advigon eine einzige Ausnahme.

Mein Verbesserungsvorschlag: Man hätte im Text schreiben können, dass alle getesteten Tarife auf die abstrakte Verweisung verzichten und nur die Advigon nicht am Ombudsmannverfahren teilnimmt – fertig. Damit wären zwei Spalten frei, in denen man vielleicht so etwas wie Regelungen bei Teilzeittätigkeit oder Umorganisation in den Betrieben von Selbstständigen hätte bewerten können. Da gibt es deutliche Unterschiede.

Patzer wie unterschiedliche Bewertung praktisch gleicher Angebote korrigiert

Vor zwei Jahren war uns direkt ins Auge gestochen, dass es für die AXA und deren Tochter DBV zwei unterschiedliche Gesamtbewertungen gab: 0,9 für die DBV und 1,0 für die AXA. Dabei hatten beide Anbieter identische geprüfte Versicherungsbedingungen und Anträge.

Diesen Patzer hat man im aktuellen Test korrigiert.

Nicht nachvollziehbare unterschiedliche Bedingungsbewertung am Beispiel LV 1871

Was uns dieses Jahr direkt ins Auge gestochen ist, ist die Bewertung der Versicherungsbedingungen der LV 1871 mit 1,2 im Vergleich z.B. zur Hannoverschen (Premium-Exclusiv) mit 0,8.

Das ist ein deutlicher Unterschied, der sich durch die kommunizierten Kriterien, egal ob in der Tabelle aufgeführt oder nicht, aus unserer Sicht nicht erklären lässt.

Damit sind wir wieder beim Thema Intransparenz: Beide Anbieter gehören zweifellos zur Spitzengruppe, was die Versicherungsbedingungen angeht. Alle kommunizierten Kriterien werden von beiden Versicherern / Tarifen erfüllt. Ich frage mich:

  • Woher kommen die Unterschiede in der Bedingungsbewertung?
  • Gibt es „heimliche“, nicht kommunizierte Prüfkriterien?

Berufsunfähigkeitsversicherung Stiftung Warentest: Die Sache mit den Gesundheitsfragen in den Anträgen

Stiftung Warentest bewertet die Antragsformulare mit 25 % der Gesamtnote. In der Übersichtstabelle werden nur die Abfragezeiträume für Krebs und Psychische Erkrankungen dargestellt. Wie diese Zeiträume bewertet werden, bleibt unklar. Vermutlich: je kürzer, desto besser.

Nicht in der Tabelle dargestellt werden weitere geprüfte Kriterien, wie

  • keine Frage nach anderswo gestellten Anträgen,
  • Hinweis auf Folgen falscher Angaben,
  • Zeitraum für stationäre Krankenhausaufenthalte maximal 10 Jahre,
  • Zeiträume für alles andere, außer HIV, maximal 5 Jahre,
  • Frage nur nach objektiven Tatbeständen wie Krankheiten, Unfällen oder Behinderungen,
  • keine Frage nach unbehandelten Beeinträchtigungen oder Beschwerden.

Man kann nur raten, welcher Antrag mit welchen Fragen Stiftung Warentest vorgelegt wurde und welche Frage wie und mit welcher Gewichtung geprüft wurde.

Nicht nachvollziehbar unterschiedliche Antragsbewertung am Beispiel Europa und InterRisk

Die Test-Tabelle gibt für die Europa einen Wert von ++ 0,9 (zweitbester Wert) für den Antrag aus und für die InterRisk – 4,1, den mit Abstand schlechtesten Wert.

Was die beiden Zeiträume Krebs und Psyche angeht, gibt es keinen Unterschied. Daran kann es also nicht liegen.

Die InterRisk fragt nach anderweitig beantragten BUs & Co der letzten 5 Jahre, die nicht normal angenommen wurden. Das fragt die Europa (in der Online-Antragsstrecke) nicht.

Die Anforderung an die Abfragezeiträume (10 Jahre stationär, 5 Jahre ambulant) erfüllen beide Versicherer. Also kein Unterschied. Auch nicht wirklich bei den Hinweisen der Folgen falscher Angaben.

Also kann es ja laut der von Stiftung Warentest kommunizierten Kriterien nur um Unterschiede bei den objektiven Tatbeständen und unbehandelten Beschwerden gehen. Sehen wir uns also die entsprechenden Fragen beider Versicherer an.

Beispiel Europa (Online-Antrag)

Die Europa fragt in Frage 2, ob man in den letzten 5 Jahren untersucht, beraten oder behandelt wurde. Von wem, wird nicht definiert. Relevant sind auch „Beschwerdegebiete“, die dann aufgezählt werden.

In Frage 6 fragt die Europa, ob Gesundheitsstörungen oder Beschwerden bestehen, oder in den letzten 3 Monaten bestanden haben.

Screenshot der Gesundheitsfragen der Europa beim Online-BU-Abschluss.
Quelle: www.europa.de

Beispiel InterRisk

Die InterRisk fragt in Gesundheitsfrage 10.2, ob in den letzten 5 Jahren Krankheiten, Gesundheits- oder Funktionsstörungen bestanden oder bestehen, weshalb man sich in ärztliche Beratung, Behandlung oder Untersuchung begeben hat.

Quelle: BU-Antrag der InterRisk, Stand 12.2025

Wodurch erklärt sich die unterschiedliche Bewertung?

Fassen wir also zusammen, was die Bewertung der Anträge der Europa und der InterRisk angeht:

  • Keine Unterschiede bei Zeiträumen Krebs und Psyche;
  • Anforderungen bei Zeiträumen stationäre und ambulante Behandlung von beiden erfüllt;
  • Beide Versicherer weisen auf die Folgen falscher Angaben hin;
  • Die Interrisk fragt nach bereits gestellten Anträgen, die Europa nicht: Vorteil Europa;
  • Die Europa fragt nach bestehenden Beschwerden ohne Arztbesuch, die InterRisk nicht: Vorteil InterRisk;
  • Die Europa fragt nach Untersuchungen, Beratungen etc., ohne das auf Ärzte einzugrenzen und ausdrücklich auch nach „Beschwerdegebieten“; die InterRisk fragt nur nach Arztkontakten (z.B. nicht nach Therapeuten), nennt aber auch Gesundheits- und Funktionsstörungen: Vielleicht unentschieden, vielleicht mit Vorteil InterRisk – aber sicherlich kein Vorteil für die Europa.

Wir erinnern uns: Die Europa hat die zweitbeste Bewertung für den Antrag bekommen, die InterRisk die schlechteste und hat dadurch trotz sehr guter Versicherungsbedingungen nur ein Qualitätsurteil „gut“ bekommen.

Kann uns bitte jemand erklären, warum?

Was ist mit verkürzten Gesundheitsfragen für junge Leute?

Die Zeiten, in denen alle, die eine BU abschließen wollen, die gleichen Gesundheitsfragen beantworten müssen, sind längst vorbei.

Die „Modellkunden“ bzw. Musterkunden, für die Beiträge berechnet und Unterlagen ausgewertet wurden, sind 20, 25 und 30 Jahre alt.

Das ist genau die Zielgruppe, für die immer mehr Anbieter verkürzte Gesundheitsfragen beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Leute stellen. Hat Stiftung Warentest diese Anträge untersucht oder die normalen umfangreichen? Man weiß es nicht. Stichwort Intransparenz.

Als junger Mensch sind solche Anträge jedenfalls einen Blick wert, auch wenn es kleinere Einschränkungen der maximalen BU-Rente gibt.


Fazit zum BU-Test 2026 der Stiftung Warentest

Vieles ist im Laufe der Jahre bei Stiftung Warentest in Sachen BU-Test und Infos zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich besser geworden. Das darf man auch einmal loben.

Es bleibt aber beim intransparenten Testdesign.

Als Mensch vom Fach kann man einiges nicht nachvollziehen, erkennt Fehler und zweifelt. Wir erinnern uns: Wer die Kriterien eines Tests bestimmt, bestimmt auch die Testsieger.

Als typischer Stiftung Warentest Leser, also Laie, vertraut man vermutlich auf solche Tests. Meiner Meinung nach sollten Sie das nicht tun.


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