Menü
01
Sep
2016

Berufsunfähigkeit anerkannt: Unser traurigster Leistungsfall

Kategorie: Berufsunfähigkeitsversicherung, Fall des Monats  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  2 Kommentare

Der Versicherer einer Berufsunfähigkeitsversicherung informiert uns, dass er die Berufsunfähigkeit unserer Kundin anerkennt. Wir sind trotzdem traurig. Was ist geschehen?

Berufsunfähigkeitsversicherung: Unser traurigster Leistungsfall Grafikquelle colourbox.comAls sich im Juli letzten Jahres eine Kundin bei uns meldete, dass sie wohl berufsunfähig sei und nun Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen möchte, ahnten wir noch nichts.

Wie immer ging es um die Frage, was nun die nächsten Schritte sind. Vor allem war hier zu klären, was mit ihrer anderen Berufsunfähigkeitsversicherung passieren sollte, die wir nicht vermittelt hatten. Nach einigen Tagen der Kommunikation antwortete die Kundin nicht mehr zeitnah. Das ist ansich nichts Ungewöhnliches, zumal man sich für bestimmte Entscheidungen ja durchaus Zeit lassen darf.

Wenige Wochen später erhielten wir einen Anruf des Lebensgefährten unserer Kundin: Sie war nur einige Tage nach ihrer letzten Nachricht an uns verstorben. Diagnose: Brustkrebs. Dass es so schlimm war, hatte ich wirklich nicht geahnt. Da muss man um Fassung ringen und sucht Worte. Zwangsläufig fragt man sich: Habe ich gewisse Signale nicht verstanden? Hätte ich etwas anders machen können? Was ist nun zu tun?

 

Erst berufsunfähig, dann tot

Was also ist, wenn man nicht nur berufsunfähig wird, sondern sogar an der verursachenden Krankheit verstirbt, noch bevor die BU-Rente durch ist? Leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung dann trotzdem?

Hier war es so, dass die Kundin die Diagnose bereits fast ein Jahr vor der Meldung bei uns erhalten hatte. Seitdem war sie krankgeschrieben. Wie es so ist: Bis man sich eingesteht, berufsunfähig zu sein, kann eine Menge Zeit vergehen. Daher ist es auch so wichtig, dass es möglichst lange, oder am besten gar keine Fristen zur Leistungsfallmeldung in den Versicherungsbedingungen gibt.

In vielen Bedingungswerken finden sich Formulierung ähnlich wie:

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person mindestens 6 Monate ununterbrochen infolge Krankheit, Körperverletzung, oder Kräfteverfalls nicht in der Lage war, ihren Beruf auszuüben.

Das war bei unserer Kundin zweifelsfrei gegeben. Wenn dann noch in den Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung steht, dass in einem solchen Fall rückwirkend ab Beginn dieses Zeitraums geleistet wird, ist das hilfreich.

Ein sicherlich kritischer Punkt war in unserem Fall, dass die Diagnose nur wenige Tage nach Versicherungsbeginn gestellt wurde. Da wird ein Versicherer ganz bestimmt ganz genau hinsehen. Wenn man bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung alle Fragen des Versicherers penibelst genau und korrekt beantwortet hat (und weiß, was in den Arztakten steht), ist auch das kein Problem: In der Regel besteht ab Versicherungsbeginn Versicherungsschutz – auch und gerade für neu auftretende Krankheiten. Ausnahme: Es ist ausdrücklich eine Karenzzeit vereinbart.

Welche Fragen sich dann noch stellen: Wer kann den Leistungsantrag, also den Antrag auf Auszahlung der BU-Rente, stellen, wenn der Versicherungsnehmer = versicherte Person schon verstorben ist? Wer kann dann noch Ärzte von der Schweigepflicht entbinden – eine Voraussetzung für die Überprüfungsmöglichkeit durch den Versicherer? Und wer bekommt letztlich die Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt, ist ein Begünstigter im Todesfall genannt worden?

 

Der Versicherer zahlt die BU-Rente – an die Erben

Heute erhielten wir nun eine Kopie des Schreibens vom Versicherer, der Basler Lebensversicherung. Die Berufsunfähigkeit wird anerkannt. Die BU-Rente und die Erstattung zu viel gezahlter Beiträge erhalten die Erben.

Berufsunfaehigkeit anerkannt. Der Versicherer zahlt

Berufsunfähigkeit anerkannt. Der Versicherer zahlt – trotzdem traurig. Quelle: Basler Lebensversicherung

Wie man sieht, hat es seine Zeit gedauert, bis die Leistungsanerkenntnis vorlag. Das hängt auch mit den oben genannten widrigen Umständen zusammen.

 

Fazit:

Der Familie unserer Kundin wünsche ich weiterhin viel Kraft und Mut, den schmerzlichen Verlust zu verarbeiten.

Was mir einmal mehr in’s Bewusstsein gedrungen ist: Regeln wir unsere Angelegenheiten, so lange wir sie selber regeln können. Sagen wir unseren liebsten & wichtigsten Menschen, was sie unbedingt von uns hören sollten.

Fachlich: Bei jeder Berufsunfähigkeitsversicherung sollte geregelt sein, wie es mit der Schweigepflichtentbindung im Todesfall aussieht und jemand namentlich benannt sein, der im Todesfall bezugsberechtigt ist. Gelegentliche Auskünfte von Versicherern, dass es bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung keine Leistung im Todesfall gäbe, halte ich mindestens für missverständlich.

 

Jetzt starten und Beratungs-Unterlagen anfordern!

Vertrauens- Garantie




Ihr Absicherungswunsch? (Mehrfachauswahl möglich)

KrankentagegeldversicherungBerufsunfähigkeitsversicherungErwerbsunfähigkeitsversicherungAbsicherung schwerer Krankheiten (Dread Desease)Risiko-Lebensversicherunganderes, siehe Nachricht

Zustimmung zur Datenschutzerklärung und AGB, damit die Anfrage bearbeitet werden kann (erforderlich).

Bitte Sicherheitscode captcha wiederholen:

Nach erfolgreichem Absenden erhalten Sie hier unterhalb dieser Zeile einen Bestätigungshinweis (nach dem Absenden gegebenenfalls etwas nach unten scrollen).

Kommentare zu diesem Beitrag

Honoro  |   1. September 2016 um 18:38 Uhr

So ein Schicksal macht schon betroffen. Mich hatte mal ein relativ junger Vater angerufen, dem eine Herzoperation bevorstand. Außer einer Sterbegeldversicherung war da nichts mit Absicherung zu machen. Ein paar Monate nach dem Gespräch ist er dann leider gestorben. Manchmal ist das Leben einfach ungerecht.

Tobias Bierl  |   1. September 2016 um 20:36 Uhr

Leider gehört dies auch zu den unangenehmen Seiten von unserem Beruf.
In solchen Momenten merkt man erst, wie klein eigentlich einige Alltagsprobleme werden.

Toll und menschlich geschrieben!

Einen Kommentar schreiben