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04
Jun
2013

Übrigens haben Sie neulich 2.000 € verloren

Kategorie: Lebensversicherung, Verbraucherschutz  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  3 Kommentare

Übrigens haben Sie 2.000 € verloren. Zum Deutschen Verbrauchertag 2013 #dvt13Übrigens haben Sie neulich 2.000 € verloren. Genauer gesagt: Je 200.- € in den Jahren 2001 bis 2010. Sie haben diese 2.000 € verloren. Und Ihr Schatzi. Ihre Kinder. Ihre Geschwister. Ihre Eltern. Oma & Opa. Die Nachbarn. Und die Enkel. Die Arbeitskollegen. Ihre Freunde. Der Busfahrer: Alle haben jeweils 2.000 € verloren.

Bei 80 Millionen Einwohnern in Deutschland á 2.000 € kommen da 160.000.000.000 € zusammen, also 160 Millarden.

 

Der Grund für 2.000.- € Verlust?

Sie fragen sich, warum selbst Oma & Opa, die Enkel und der Busfahrer jeweils 2.000.- € verloren haben? Ganz einfach: Weil sie eine Lebens- oder Rentenversicherung vorzeitig gekündigt haben. Irgendwann zwischen 2001 und 2010. Schaden: 2.000.- €. Sagen die Verbraucherschützer. Und die müssen ja rechnen können, weil einige davon wollen ja sogar Finanzmarktwächter werden.

Wie – Oma & Opa haben ihre Lebensversicherung gar nicht gekündigt? Und die Enkel haben überhaupt keine Lebensversicherung? Und Ihre noch kapitalsteuerfreie Rentenversicherung mit 4% Garantieverzinung auf den Sparanteil besparen Sie sogar noch???

Nun machen Sie mal nicht die schönen Zahlen der Verbraucherschützer kaputt. Schließlich entstammen die sogar einer Studie von einem Professor. Der hat sich die auch nicht ausgedacht, sondern auf Basis „einer Stichprobe von 1.115 Verträgen von Kunden, die die Verbraucherzentrale Hamburg gebeten haben, sich im Kontext ihrer Versicherungskündigung mit der Höhe des Rückkaufswertes zu beschäftigen“ ermittelt. Das muss also absolut exakt stimmen. Und 160 Millarden durch 80 Millionen Einwohner sind nun einmal 2.000. Nur wenn Sie, Oma & Opa und die beiden Enkel gar keine Lebens- oder Rentenversicherung zwischen 2001 und 2010 gekündigt haben – dann fehlten ja schon 10.000 € Verlust in der Rechnung. Ob die der Busfahrer hat?

Laut GDV Taschenbuch gab es im genannten Zeitraum grob vereinfacht einen Bestand von 94 Millionen Lebens- und Rentenversicherungen. Davon werden ebenfalls grob vereinfacht etwa 15%, also 14,1 Millionen, Risikolebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Pflegerentenversicherungen sein, mit denen gar nichts angespart wird und zu denen es daher auch keinen Rückkaufswert gibt. Auch mit dieser Berechnung bleiben also etwa 80 Millionen: Verträge. Die Zahlen der Verbraucherzentrale würden also bedeuten, dass wenn  – innerhalb von 10 Jahren – alle Verträge vorzeitig gekündigt worden wären, pro Vertrag ein Verlust von 2.000 € zu Buche geschlagen hätte. Wer bitte soll das glauben?

 

Unseriöse Zahlen helfen Verbrauchern nicht

Liebe Verbaucherschützer – und liebe Journalisten, die ihr so gern derlei Botschaften unkritisch wie Hofberichterstatter weiterverbreitet (Ausnahmen z.B. hier): Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Effekten, um der Sache Gehör zu verschaffen und Leser zu locken: Ein bisschen gesunden Menschenverstand und ein Mindestmaß an  Zahlengefühl sollten wir uns schon bewahren. Oder?

 

Reaktionen auf twitter:

 

Kommentare zu diesem Beitrag

Sebastian Hirsch  |   28. Juni 2013 um 17:53 Uhr

Hallo Herr Helberg,

wie an anderer Stelle bereits angemerkt, sind die von Ihnen genannten 2.000 Euro sowie die Annahme, dass, um auf die in der Studie errechnete Schadensschätzung zu kommen, alle Verträge innerhalb von 10 Jahren gekündigt hätten werden müssen, unsinnig und falsch, sie entsprechen nicht der Berechnungsgrundlage der Studie.

In der Studie ging man ursprünglich von 26,2 Millionen stornierten Verträgen aus. Tatsächlich stellte sich durch Marktdaten von Map-report/GDV heraus, dass sogar von ca. 29,5 Millionen Verträgen auszugehen ist.
Zur Herleitung und Berechnung des Durchschnittsschadens in Höhe von 5.275 Euro pro Kunde werfen Sie am besten einen Blick in dieses Paper (Seiten 10-12):
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/sowi_lehrstuehle/finanzwirtschaft/Transfer/Jan_2012_Versicherungen.pdf

Wenn Sie etwas bewandert in statistischen Verfahren sind, ist Ihnen sicher bekannt, dass ein Datensample von 1.115 Beispielverträgen durchaus ausreichend ist, wenn eine Repräsentativität in Hinblick auf die Grundgesamtheit gewährleistet ist. Dies ist sie in diesem Fall zwar nicht, allerdings weigert sich die Branche bisher ja leider Daten zur Grundgesamtheit zu liefern. Rückschlüsse lassen sich dennoch aus dem Datensample erarbeiten, es ist sogar so, dass die Versicherungswirtschaft hier eher positiv weg kommt. Die Verbraucherzentrale Hamburg kommentierte dazu: „Es sind eher die
fitteren Verbraucher, die sich bei uns gemeldet haben. Also sind die Millionen besonders
schlecht beratenen Frühstornierer mit besonders hohem Schaden eher
unterrepräsentiert.“

Viele Grüße
Sebastian Hirsch

Matthias Helberg  |   29. Juni 2013 um 19:52 Uhr

Hallo Herr Hirsch, Sie haben natürlich recht: Ich bin kein Statistiker. Und kein Wissenschaftler. Und ganz unter uns: Nicht einmal studiert habe ich. Ich bin einfach nur ein Praktiker: Mit 15 Jahren Erfahrung in der Versicherungsvermittlung. Und ich wage an dieser Stelle einmal die Behauptung, dass die Praxis deutlich näher an der Realität ist, als die schönste Theorie und die am wenigsten oder am meisten manipulierte Statistik. Wer mit solche Zahlen (160 Millarden Verlust durch vorzeitige LV-Kündigung) hantiert, sollte meines Erachtens mehr als eine Theorie für deren Richtigkeit vorzuweisen haben. Aus meinem Bestand kann ich derlei Durchschnitts-Zahlen jedenfalls nicht bestätigen. Und auch in dem Punkt wird mein Unternehmen nicht die eine große Ausnahme sein.

Sebastian Hirsch  |   30. Juni 2013 um 19:07 Uhr

Bei den Zahlen handelt es sich nicht nur um Theorie, sondern die Basis bilden reale Marktzahlen. Ich bitte Sie nochmals sich das von mir verlinkte Paper auch mal durchzulesen. Mir ist es absolut unbegreiflich, warum Sie, statt sich erst mal mit der Studie zu beschäftigen, sich einfach irgendwelche fiktiven Zahlen ausdenken, die Ihnen gerade irgendwie in den Sinn kommen. Gerade das steht doch in eklatantem Widerspruch zu dem Realitätsanspruch, den Sie in ihrem Kommentar propagieren.
Die in der Studie vorliegenden Zahlen, die zum Teil ja sogar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stammen bzw. durch die Auswertung einer großen Anzahl stornierter Verträge ermittelt wurden, können Sie doch nicht einfach vom Tisch wischen, in dem Sie behaupten als „Praktiker“ wüssten Sie es besser und gleichzeitig noch manipulierte Statistiken unterstellen, ohne irgendein greifbares Gegenargument zu liefern. Na ja, Sie können schön – nur von Seriosität oder Fachkenntnis ist eine solche Aussage nicht geprägt.

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