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05
Apr
2011

Haftpflicht Kind? Deliktunfähige Kinder in der Haftpflichtversicherung

Kategorie: Haftpflichtversicherungen  ·  Autor: Matthias Helberg  ·  9 Kommentare
 „Unser 5 jähriger Sohn hat bei Freunden den Laptop vom Tisch gestoßen und unsere Haftpflicht will nicht zahlen!“

 

haftpflicht-kind-deliktunfaehige-kinder-in-der-privathaftpflichtversicherungSolche oder ähnliche Beschwerden liest und hört man immer wieder. Lesen Sie hier mehr zum Thema Haftpflicht Kind.

Von einem Familientarif einer Privathaftpflichtversicherung erwartet man, dass Kinder automatisch mitversichert sind. Sind sie meist auch – aber anders, als viele denken.

Eine Haftpflichtversicherung hat stets drei Aufgaben:

  • Prüfung der Haftpflichtansprüche
  • Abwehr unberechtigter Ansprüche
  • Freistellung des Versicherungsnehmers von berechtigten Ansprüchen.

Es ist also überhaupt nicht Aufgabe einer Haftpflichtversicherung, immer zu zahlen.

Wie ist es nun, wenn Kinder einen Schaden verursacht haben und der Privathaftpflichtversicherung der Schaden gemeldet wird? Sie prüft die Ansprüche. Zwar ist es so, dass der Grundsatz gilt, der Verursacher muss für den entstandenen Schaden aufkommen (BGB § 823). Bei Kindern kommt es aber auch darauf an, ob sie überhaupt schon in der Lage waren, die Auswirkungen ihres Handelns abzuschätzen. In Deutschland wird bei Kindern unter 7 Jahren angenommen, dass sie für ihr Handeln nicht verantwortlich sind, sie gelten als deliktunfähig. Bei Schäden im Verkehr liegt diese Grenze sogar bei unter 10 Jahren (BGB § 828). Da in unserem oben genannten Fall der 5 jährige Sohn also als deliktunfähig eingestuft wird, prüft der Haftpflichtversicherer nicht weiter das Verschulden des Kindes (denn es kann keine Schuld haben). Der Haftpflichtversicherer prüft jedoch ein Verschulden der Eltern. Das könnte dann der Fall gewesen sein, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben (BGB § 832).

 

Deliktunfähige Kinder in der Haftpflichtversicherung

Nun kommt das Kuriose, was vielen Betroffenen nicht einleuchtet, aber dennoch rechtlich richtig ist: Haben die Eltern alles richtig gemacht und sind ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen, wehrt der Versicherer einen unberechtigten Anspruch ab (zur Not auch vor Gericht), zahlt also für den Schaden nichts. Für das deliktunfähige Kind besteht ja keine Pflicht zum Schadensersatz und die Eltern haften mangels Verschuldens in diesem Fall ebenfalls nicht. Der Geschädigte hat einfach nur ‚Pech gehabt’ – er hätte im Beispiel oben den Laptop vor dem Kind in Sicherheit bringen müssen.

Stellt sich aber heraus, dass zum Beispiel der aufsichtspflichtige Vater seinen Kumpel besucht hat und mit ihm im Wohnzimmer Fußball geschaut hat, während sein 5 jähriger weniger Fußball-begeisterter Sohn eine ganze Zeit lang unbeaufsichtigt im Arbeitszimmer des Kumpels war und dort dann den Laptop vom Tisch gestoßen hat, sieht die Sache anders aus: Auch hier ist das Kind zwar nicht schadensersatzpflichtig, aber der Vater, weil er seine Aufsichtspflicht offensichtlich verletzt hat, die Privathaftpflichtversicherung muss den Schaden übernehmen.

Viele Eltern kommen mit dieser Rechtslage nicht gut klar: Sie fühlen sich moralisch dazu verpflichtet, für Schäden ihrer Kinder aufzukommen. Oft sind es ja gerade Verwandte, Freunde oder Nachbarn, wo derlei Schäden passieren. Da viele Versicherer das nachvollziehen können (vielleicht auch, damit Schäden nicht anders gemeldet werden, als sie entstanden sind), werden seit einigen Jahren auch Haftpflichtversicherungstarife angeboten, bei denen auf den Einwand der Deliktunfähigkeit von Kindern zumindest bei Sachschäden und bis zu ‚normalen’ Schadenshöhen von zum Beispiel 5.000.- EUR verzichtet wird. Obwohl rechtlich gesehen die Eltern also nichts bezahlen müssten, leistet hier der Versicherer auf Wunsch der Eltern, damit Freundschaften oder das gute Nachbarschaftsverhältnis nicht belastet werden. Der Baustein Haftpflicht Kind oder besser ‚deliktunfähige Kinder’ ist in einigen Privathaftpflicht Tarifen bereits beitragsfrei mitversichert, in vielen anderen Tarifen kann er für minimalen Zusatzbeitrag eingeschlossen werden. Einzelne Versicherer bieten inzwischen sogar Versicherungsschutz in der Haftpflicht nicht nur bei Kindern, sondern auch bei deliktunfähigen Erwachsenen, wie Behinderten oder Senioren und beispielsweise bis 10.000 EUR Schadenshöhe.

PS: Auch die Frage, wie lange Kinder in der Privathaftpflichtversicherung überhaupt versichert sind, ist sehr spannend. Darauf gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt ein.

Hier finden Sie weitere allgemeine Informationen zur Privathaftpflichtversicherung.

Erstellen Sie hier Ihren Versicherungsvergleich Privathaftpflicht, deliktunfähige Kinder in der Haftpflichtversicherung.

Kommentare zu diesem Beitrag

Fahrradunfall <--> Kleiner Junge  |   29. Juni 2012 um 16:29 Uhr

[…] […]

Kalkgruber Roswitha  |   14. März 2013 um 10:30 Uhr

Wer bezahlt den Schaden wenn ein behindertes Kind im Förderzentrum unter Beaufsichtigung etwas kaputt macht?Haushaltsversicherung der Eltern bezahlt nicht.

Matthias Helberg  |   14. März 2013 um 11:05 Uhr

Hallo Frau Kalkgruber,
wie das in Österreich ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen. In Deutschland würde man zunächst in den Vertrag zwischen Eltern und Förderzentrum gucken, da sollte das (einvernehmlich) geregelt sein. Falls eine Regelung fehlt, würde man das der Privathaftpflichtversicherung melden, die in aller Regel den Anspruch abwehren wird, notfalls auch vor Gericht. Sind auch Schäden durch deliktunfähige kinder in der Privathaftpflicht mitversichert, könnte der Schaden eventuell (abhängig von der genauen Klausel und dem Schadenhergang) auch übernommen werden.

Marina  |   8. Oktober 2013 um 09:27 Uhr

Meine Tochter(15 monate alt) hat das Handy von ihrem Vater(wir leben nicht mehr zusammen) ins Wassereimer rein geworfen. Handy ist kaputt. Wird Haftpflichtversicherung fuer Schaden aufkommen?

Matthias Helberg  |   8. Oktober 2013 um 20:02 Uhr

Hallo Marina, das kann man so nicht beantworten, weil es auf die Details des Hergangs und die Versicherungsbedingungen ankommt. Tipp: Schaden dem Versicherer melden und abwarten. Viel Erfolg.

Busch  |   4. Dezember 2013 um 22:39 Uhr

Ich hatte nun schon 2mal das Pech das ein Schaden durch ein Kind unter 7 verursacht wurde und die Eltern nicht versichert waren und auch nicht gezahlt haben. Gibt es eine Versicherung die mich vor anderen nichtversicherten Personen schuetzt?

Matthias Helberg  |   5. Dezember 2013 um 08:14 Uhr

Hallo Busch, ja, wenn der Schädiger nicht leisten kann, kann die ‚Ausfalldeckung‘ in der eigenen Privathaftpflichtversicherung zum Zuge kommen. Das ist eine zusätzliche Klausel, die inzwischen viele Tarife vorsehen. Sie springt ein, wenn der Schadensverursacher ermittelt ist, aber ‚ausfällt‘, um ihn zu ersetzen. Auch da gibt es wieder viele Unterschiede, z.B. ob der Schaden eine bestimmte Höhe haben muss usw. In unserem Vergleichsrechner kann man die Ausfalldeckung mit anwählen: http://www.helberg.info/wie-finde-ich-meine-neue-versicherung/versicherungsvergleich-i-z/privathaftpflichtversicherung-vergleich/

Peter  |   24. November 2015 um 20:37 Uhr

Hallo
Meine 15 Monate alte Tochter hat in einen Moment ausgenutzt indem ich kurz im WC wahr und meine Frau anders weil beschäftigt war mein Handy zunehmen und wie es der Teufel will fliegt ihr es aus der Hand auf den Fliesen Boden Display hat mehrere Risse Zahlt meine Haftpflichtversicherung?

Matthias Helberg  |   25. November 2015 um 09:24 Uhr

Hallo Peter, bei einer Haftpflichtversicherung geht es nur um Schäden, die man gegenüber anderen verursacht, nicht um Schäden, die Personen im gleichen Haushalt zustoßen. Bei dem geschilderten Fall nutzt die Haftpflichtversicherung daher meines Erachtens nicht.

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